[XLVIII. 259] 117 (Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie der Universität Budapest. [Direktor Prof. Dr. Franz Tangl].) Über Orthosymphonie. Beitrag zur Kenntnis des Falschkörens. Von Paul v. Liebermann und Géza Révész. Die folgende Mitteilung bezieht sich auf einige Erscheinungen, die wir bei dem einen von uns (L.) während zweier Anfälle von Parakusis beobachtet haben — wie wir glauben, zum ersten Male. Bekanntlich besteht die auffallendste Veränderung des Gehörs bei Parakusis darin, dafs eine gewisse Anzahl von Tönen (in einer umschriebenen Gegend der Tonreihe) mit veränderter Höhe gehört wird. Dem objektiven Ton entspricht also subjektiv ein Pseudoton.1 Unsere wichtigste Beobachtung besteht nun darin, dafs diese Fälschung durch gleichzeitiges Angeben eines anderen Tones scheinbar korrigiert wurde, d. h. trotz des Falsch¬ hörens wurden Akkorde richtig beurteilt. Wir schlagen für diese Erscheinung den Namen Ortho symphonie vor. Weitere Versuche haben gelehrt, dafs sich das Richtighören nur auf den Gesamteindruck des Akkordes bezieht, beim Heraushören der Komponenten dagegen der Pseudoton wieder zur Geltung kommt. 1 Die liier in Rede stehende Parakusis wird zur Unterscheidung von Parakusis loci und P. Willisii als P. duplicata oder dysharmonica näher bezeichnet, wir schlagen statt dessen den Namen P. qualitatis vor, da sich der Fehler auf die Empfindungsqualität bezieht; der Ausdruck P. dys¬ harmonica dürfte durch unsere Beobachtungen als falsch erwiesen sein, P. duplicata, d. h. verschiedene Stimmung der beiden Ohren ist zwar wohl stets vorhanden, aber unserer Meinung nach unwesentlich. Auch versteht man unter diesen Ausdrücken besonders die Empfindung von Doppeltönen, die gar nicht bei allen hierher gehörigen Fällen vorhanden ist.