[Z. f. an g. Ps. IL 1] 105 Akustische Versuche mit Pepito Arriola.1 Von G. Stumpf. Der kleine Spanier, der als 31/2jähriges musikalisches Wunder¬ kind den Teilnehmern des Pariser psychologischen Kongresses im August 1900 vorgestellt wurde, hielt sich mit seiner Mutter im Februar 1903 einige Wochen in Berlin auf und wurde bei dieser Gelegenheit von mir wiederholt auf seine Fähigkeiten hin untersucht. Sein Wohnsitz ist seit dem Herbst 1901 Leipzig, wo er unter der Oberaufsicht von Prof. Nikisch Klavierunterricht bei Prof. Reckendoef hat. In bezug auf die Herkunft und die ersten Jahre des Kindes sei hier auf Richets Aufsatz verwiesen.2 Auch die darin gegebene psychologische Beschreibung des Kindes trifft in ihren Grundzügen jetzt noch zu, wenngleich sich natürlich in diesen 21/2 Jahren eine bedeutende Weiterentwicklung in jeder Richtung vollzogen hat. Pepito, der am 14. Dezember 1902 sechs Jahre geworden, ist von kleiner, zierlicher Gestalt, gesund, durchaus kindhch in seinen Passionen für Spiele jeder Art und in seinem ganzen Benehmen, aber intellektuell weit über dem Niveau seines Alters. Er spricht ganz korrekt deutsch und hat dies, wie mir Prof. Nikisch sagt, in wenigen Monaten gelernt, 1 Das Nachstehende ist der wörtliche Abdruck eines im Sommer 1903 niedergeschriebenen Berichtes. Alles, was im Tempus praesens über den Wohnsitz, Unterricht etc. gesagt ist, ist daher auf die damalige Zeit zu beziehen. Ich hielt mit der Veröffentlichung zurück, weil ich hoffte, in den folgenden Jahren Pepito aufs neue untersuchen und so die Entwick¬ lung eines ausgezeichneten Gehörs an einem Individuum verfolgen zu können. Leider ist mir aber der Knabe inzwischen entfremdet worden und scheint mehr zum Virtuosen als zum Musiker ausgebildet zu werden. 2 IVe Congrès international de Psychologie. Paris, Alcan, 1901. p.93—99. (Vgl. den Bericht von v. PIornbostel im Anhänge dieses Aufsatzes.)