[XXXII. 87] 51 (Aus dem Psychologischen Institut der Universität Berlin.) Über die Unterschiedsempfindlichkeit für gleichzeitige Töne. Von 'Karl L. Schaefer und Alfred Guttmann. Während die Schwelle der qualitativen Unterscheidung1 un- rnittelbar aufeinander folgender Töne wiederholt Gegenstand gründlicher Untersuchungen gewesen ist, liegen bezüglich der Unterschiedsempfindlichkeit für gleichzeitige Töne bis jetzt nur vereinzelte Versuche vor. Erwähnenswert ist in dieser Hinsicht zunächst eine Bemerkung von Bosahquet.1 Derselbe benutzte sein bekanntes Harmonium auch zu Beobachtungen über die Grenze, an welcher man nicht zu entscheiden vermag, ob die beiden Töne eines Zweiklangs neben ihren Schwebungen ge¬ trennt hörbar sind, oder ob es sich um einen unreinen Einklang handelt, und gibt an, dafs dieses „kritische Intervall“, wie er es nennt, in der mittleren Region der musikalischen Skala unge¬ fähr zwei Kommas betrage, jedoch individuell etwas verschieden sei. Jedenfalls liege es aber zwischen einem und drei Kommas. Hiernach müfsten zwei Töne aus der Mitte der eingestrichenen Oktave, die beim Zusammenklang von einander unterschieden werden sollen, mindestens um circa 10 Schwingungen differieren. Bosanquet selbst hat keine zahlenmäfsigen Belege für das Resultat seiner Versuche, die sich übrigens, wie es scheint, nur auf zwei Personen erstreckten, beigebracht. Auch Stumpe hat sich bereits in seiner Tonpsychologie2 1 On the Beats of Consonances of the Form h : 1. Philos. Magaz. (5) 11 S. 420 n. 421. 1881. 2 Bd. II, S. 321 ff. 1890. 4*