Beobachtungen über subjective Töne und über Doppelthören. Von C. Stumpe. „Die subjectiven Gehörsempfindungen erwarten einen treuen Selbstbeobachter, wTie es Goethe und Pubkinje für die subjec¬ tiven Gesichtserscheinungen gewesen sind.“ So sagte 1826 Johannes Müllee in seiner Vergleichenden Physiologie des Gesichts¬ sinnes. Bis heute hat aber dieses Desiderat noch nicht in irgend gröfserem Maafse Erfüllung gefunden. Es sind in der Literatur fast nur die Aussagen der Patienten von Ohrenärzten verzeichnet, und diese enthalten zwar Vieles über subjective Geräusche, aber äufserst Weniges über Töne im musikalischen Sinne, die doch für die Theorie des Hörens ungleich wichtiger wären.1 1 Die einzige Abhandlung, worin mehr als zwei bis drei Angaben über Töne von bestimmter Höhe verzeichnet sind: J. J. Oppel, Ueber-den Ton des Ohrenklingens, Poggend. Ann. d. Phys. IM (1872), 476, ist in der ohren¬ ärztlichen Literatur anscheinend gänzlich ignorirt worden. S. darüber unten. Einzelne Töne sind namhaft gemacht im Archiv für Ohrenheilkunde 4, 39 (f3), 94 (d3 längere Zeit), 19, 43 (c4 länger) ; Monatsschrift f. Ohrenheilk. 1886, 109—111 (ff, af hf ; Zeitschrift f. Ohrenheilk. 34, 46 (c2 mehrere Tage, dann hl-\-f~); Vibchow’s Arch. f. pathol. Anat. 39, 289 (c3 -j- e3, g-\-h?), 41, 299 (eis"), 46, 509 (e1). Ferner bei Lucae, Entstehung u. Behandl. d. sub¬ jectiven Gehörsempfindungen, 1884, S. 3 (h3, cf e4). Külpe, Grundrifs der Psychologie, 1893, S. 111 (gis3, cis4, gisf. In der Zeitschr. f. Ohrenheilk. 8, 187—8 giebt Brunnes nach eigenen Beobachtungen an, dafs die subjectiven Töne stets in den mittleren und oberen Lagen des Claviers liegen. Gold- scheider, berichtet (Lehre v. d. specif. Energien, 1881, Gesammelte Abhdl. I, S. 14), dafs er jederzeit bei Aufmerksamkeit und äufserer Stille in beiden Ohren ein sich gleichbleibendes Klingen von mittlerer Höhe vernimmt, und bezeichnet mir jetzt die Höhe näher als „bald a2, bald a3“. Das ist Alles, was ich finden konnte.