lieber die Unterschiedsempfindlichkeit für Tonhöhen. 67 Wenn es sich um kleinste, eben merkliche Empfindungs- Unterschiede handelt, kann entweder gefragt werden, ob ein Unterschied in bestimmter Hinsicht überhaupt bemerkt wird (Methode der eben merklichen Unterschiede oder der Minimal¬ änderungen), oder ausserdem noch, in welcher Richtung der Unterschied liegt, hier also, ob der zweite Ton höher oder tiefer ist (Methode der richtigen und falschen Fälle). Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse sind vermittelst der zweiten Methode gewonnen. Die Nachtheile der ersteren gegenüber der zweiten werden nach dem Bericht über die sachlichen Er¬ gebnisse dargelegt werden. Hauptversuchsperson war Professor Stumpf. Die Versuche mit dem Tone 600 wurden ausserdem noch mit einer Anzahl anderer, sämmtlich hervorragend musikalischer Personen gemacht. Dass die Versuchspersonen musikalisch waren, bedarf kaum der Recht¬ fertigung. Solche Personen bringen bereits eine erhebliche Uebung mit, die andere im Verlauf der Versuche sich erst er werben müssen, und man darf zugleich bei Musikalischen eine grössere Fähigkeit der Vertiefung, der Konzentration und des dauernden Interesses an so langwierigen Versuchsreihen über feinste Unterschiede im Tongebiet voraussetzen — auch hier natürlich nur dann, wenn zugleich Interesse und Begabung in allgemein wissenschaftlicher Hinsicht mit den musikalischen Fähig¬ keiten verknüpft ist. Zur Tonerzeugung wurden Stimmgabeln benutzt. Die Ton¬ höhenänderung der Gabeln wurde nicht durch Verschiebung von Laufgewichten bewirkt, da es darauf ankam, die Gabeln auf die angewandten Verstimmungen möglichst genau ein¬ zustellen. Die eine Zinke jeder veränderlichen Gabel wurde — je nach der Grösse der Gabel — 1,5 bis 3,5 cm tief angebohrt und eine entsprechend lange, durch eine Gegenmutter feststell¬ bare Stahlschraube eingesetzt, die bei der Gabel 1200 hohl, bei den übrigen massiv war und bei 100 einen schweren, bei 200 einen etwas leichteren Messingkopf als Belastung trug. Durch Einstellung der Schraube auf einen bestimmten Punkt liess sich die jedesmal gewünschte Tonhöhe ohne grosse Mühe mit hinreichender Genauigkeit hersteilen. Um den Nullpunkt zu bestimmen, darf man sich nicht mit dem Fortfall bemerkbarer Schwebungen begnügen, sondern muss auch um gleichviel (etwa 3 Windungen der Schraube) nach der 5*