a) Vocale. 21 Beim Uebergange in i steigt Zungenwurzel und Zungenbein zur Bildung des Gaumencanals empor, daher zugleich der Kehlkopf sich hebt. Geht man von a in u Über, so muss die Zungenwurzel zur Vermeidung jeder Verdumpfung und Hemmung des Tones und zur Bildung der weiten Trichteröffnung zurücktreten , wobei dann auch der Kehlkopf nach unten, das Zungenbein nach vorn ausweichen. Doch ist die allmähliche Vollziehung dieser beiderseitigen Ueber- gänge nicht möglich, ohne dass wir durch die dazwischen liegenden Laute e und o hindurchgehen, und schon diess giebt uns einen Fin¬ gerzeig , wie wir vom Nalurlaut a zu allen anderen Lauten gelangen können. Es ist ein sprechender Beweis für die zutreffende Richtigkeit von Brücke’s Beobachtungen , dass wir dieselben fast durchweg für unsere gegentheilige Auffassung ins Feld führen können, ohne ihnen durch die alterierte Deutung im geringsten Gewalt anzuthun. Wie in den Einzelnheiten dürfte auch im Grossen und Ganzen das Ver- hältniss des musikalischen Tones zur vocalischen Klangfarbe und das gleichzeitige Verhalten des Kehlkopfs bei Articulierung der Vo¬ cale, die Erscheinung der gemischten Vocale ü und ö, das praktische Experiment, dessen Erwähnung geschah — alles das dürfte unsere Theorie der Verengerung besser gewährleisten, als Brücke’s Theorie der Verlängerung. Die Krone des Beweises aber sei das natürliche Lautsystem selbst, mit ihm stehe und falle seine Vocaltheorie. Zuvor jedoch müssen wir noch eine andere Partie aus Brücke’s verdienstlichen Schriften einer näheren Betrachtung unterziehen, nämlich seine Theorie Uber : erweitert, und indem der Kehlkopf höher steht als beim u und tiefer als beim i. Beim a hat das Zungenbein dieselbe Stellung wie in der Ruhe, aber der Kehlkopf ist ihm stärker genähert und dadurch etwas gehoben ; geht man von a in i über, so behalten Kehlkopf und Zungenbein ihre gegenseitige Lage, aber steigen mit einander in die Höhe; geht man von o in u über, so entfernt sich der Kehlkopf so weit er kann vom Zungenbeine, um sich nach abwärts zu sen¬ ken. Das Zungenbein bewegt sich dabei etwas nach vorn, wahrscheinlich we¬ gen der Lagenveränderung, welche die Zungenwurzel durch das Herabtreten des Kehlkopfs erleidet. Der Mundcanal ist beim a in seiner ganzen Länge offen, weder in derMitte verengt wie beim noch amEnde verengt wie beim u. Beides würde die Hervorbringung des reinen hel¬ len a unmöglich machen; übrigens aber kann das a bei sehr verschiedenerWeitedesMundcanals hervorgebracht werden.«