Über optisch«* Analyse. Von Hans ltupp. Berlin. Mit 25 Abbildungen im Text. Der erste Anstoß zu der Untersuchung, über die im folgenden be¬ richtet wird, kam von praktischen Aufgaben her. Es sollten Eignungs¬ prüfungen zur Textilindustrie entwickelt werden. Einer der mannig¬ faltigen Zweige dieser Industrie ist der der Näherei und Stickerei; und wieder eine der verschiedenen, vermutlich voneinander unabhängigen Aufgaben dieses Zweiges besteht darin, Stiche ohne Vorzeichnung fort¬ laufend regelmäßig auszuführen. Von dieser Aufgabe geht die hier berichtete Untersuchung aus. Die Stickmuster sind sehr verschieden, von dem einfachsten, in welchem eine Linie mit gleichabstehenden Stichen auszunähen ist. bis zu Zickzack-, Zinnen-, geschlungenen Mustern usw. Die praktische Erfahrung des Handarbeitsunterrichts zeigt, daß manche Mädchen sehr regelmäßig arbeiten können, während es andere trotz aller Mühe nie über einen sehr mittelmäßigen Grad von Kegelmäßigkeit hinausbringen. Auch bei \ ersuchen, in welchen nicht genäht, sondern gezeichnet oder ausgestochen wurde, zeigten sich ähnliche Unterschiede. Beim Durchproben verschiedener Muster trat aber noch ein anderer individueller Unterschied hervor, der viel bedeutungsvoller ist und hier hauptsächlich interessiert. Es zeigte sich nämlich, daß manche •Schülerinnen oder Arbeiterinnen zwar einfache Muster regelmäßig fortsetzen konnten, dagegen bei zusammengesetzteren gänzlich ver¬ sagten. Sie konnten diese Muster nicht so klar erfassen, wie es für ein Nachahmen durch Zeichnen, Ausnähen u. dgl. nötig ist. Diese Leistung sei vorläufig als Zeichnen optischer Strukturen bezeichnet. Die zunächst verwendeten, in der Näherei meist üblichen Muster zeigten die Unter¬ schiede noch nicht deutlich ; sie kamen aber klar hervor, als andere, schwierigere Muster versucht wurden. Versuche mit dem Bienenwabenmuster. 1. Besonders fruchtbar erwies sich das Bienenwabenmuster: nach Art der Bienenwaben aneinander gereihte regelmäßige Sechsecke. Bild I zeigt ein Stück dieses Musters.