der medizinischen Wissenschaft zur Taubstummenbildung etc. 85 einer fachwissenschaftlichen Kultur zugänglich zu machen sein dürften; unseres Wissens hat bis jetzt nur Universitätsprofessor Dr. Gutzmann-Bev\ii\ allein seine systematischen Beobachtungen der physiologischen Vorgänge bei der künstlichen Spracherlernung des taubstummen Kindes der Öffentlichkeit übergeben. Jede Taub¬ stummenanstalt und vor allem die Taubstummenlehrerbildungs¬ anstalten sollten es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben betrachten, der wissenschaftlichen Forschung an der Hand des wechselnden, in seiner Zusammensetzung fortgesetzt neue Probleme berührenden Schülermaterials ein lebensvolles Untersuchungs- und Arbeitsfeld zu sichern. Es ist das besondere Verdienst des Herrn Dezernenten des preußischen Taubstummenbildungswesens im Unterrichts¬ ministerium, des Herrn Geheimen Oberregierungsrats Heuschtn, auf diese wichtige Angelegenheit hingewiesen zu haben. Nach welchen Gesichtspunkten die einleitenden und durchzuführenden Arbeiten zu ordnen sein würden, dürfte im allgemeinen aus der Er¬ fahrung bei der Arbeit selbst sich ergeben. Um nur in einfachen Umrissen dem diesen Ausführungen zugrunde liegenden Gedanken¬ gange eine Form zu geben, seien in Kürze einige Gesichtspunkte, die hier auf diesem Arbeitsgebiete in Betracht kommen könnten, in folgendem angedeutet: 1. Die bei der Beschulung vorzunehmende genaue Aufdeckung der physiologischen Veranlagung des einzelnen taubstummen Kindes zur künstlichen Lautbildung unter ganz besonderer Berück¬ sichtigung des eigentlichen Stimmapparates, von dessen Zustand der Taubstummenbildner sich ohne die Mitwirkung wissenschaftlicher Beobachtung überhaupt kein Bild machen kann und von dessen organischer Verfassung die ganze Artikulationsarbeit von vornherein in ihrem Erfolge abhängt. _ 2. Die wissenschaftliche individuelle Beobachtung eintretender funktioneller Mängel bei den Sprechvorgängen zur Gewinnung einer wissenschaftlichen Grundlage für die Behebung der Fehler. 3 Die fortlaufende Beobachtung der physiologischen Ein¬ wirkung des Artikulations- und SprechUnterrichts auf die Sprach- organe und auf die organische Entwicklung des taubstummen Kindes im allgemeinen.