VERKENNUNG DER PHYSIOLOGISCHEN ÜBUNG. Raum beweglich sind, daß der ganze Arm im Schlüsselbein- Brustbeingelenk gleichsam aufgehängt ist (52), weshalb auch die kleinste Fingerbewegung bis zu jenem Gelenk hinauf wirkt, ob man nun will oder nicht. Ein bezeichnendes Beispiel für Mit- und Gegenwirkung bietet das gegenseitige Verhältnis der Finger- und der Hand¬ muskeln. Jene würden ohne diese keinen Effekt erzielen, d. h. wenn die Handmuskeln das Handgelenk in genau sich anpassen¬ der Weise nicht festhielten, dann müßte die Kraft der Finger¬ muskeln aus Mangel an Halt verloren gehen und gelangte nicht bis zu den Fingergliedem hin. Gesetzmäßig und gänzlich un¬ bewußt, das ist das wesentliche Kriterium aller dieser Vorgänge. Dafür ein Beispiel: Man strecke Hand und Finger so aus, daß sie in einer Rich¬ tung mit dem Unterarm stehen, dann schließe man rasch und kraftvoll Hand und Finger zur Faust; unwillkürlich gerät dabei die Hand in stärkere Streckung zum Unterarm. Auch umge¬ kehrt, beim öffnen der Hand zeigt sich dieses, selbstredend auch an allen übrigen Gelenken zu beobachtende Verhältnis. Es handelt sich hier um unbewußte und vom Willen unabhängige Antagonismen und Synergismen von vollkommenster Zweck¬ mäßigkeit, die in sehr verschiedener Stärke und Deutlichkeit überall, auch bei den Anschlagbewegungen zu beobachten sind (51). Je zusammengesetzter eine Bewegung, je mehr Muskel- 37. gruppen sich daran beteiligen, um so mehr kommt es auf das zeitliche Zusammenordnen, das genaue Einpassen jeder Teil¬ bewegung in die richtige Stelle, in den richtigen Moment der Ge¬ samtbewegung an. Ein Beuge- oder Streckmuskel macht nur immer seine Beugung oder Streckung, kann gar nichts anderes machen, aber mit wieviel von seiner Arbeit er sich an einer zu¬ sammengesetzten Bewegung jeweilig zu beteiligen hat, das ist der Hauptpunkt, darin besteht die feine psychische Arbeit bei 3* •* 35 J*