DRITTER ABSCHNITT. würde von der Musik auf ein ihr ganz fremdes Gebiet ablenken. Man kann bekanntlich seine Aufmerksamkeit jeweilig nur einem Objekt zuwenden, und dazu besitzen wir jene oben (32) erwähnte höchst zweckmäßige Einrichtung in unserm Organismus, daß wir, um uns dem Kunstwerke mit allen Kräften widmen zu kön¬ nen, das mechanisch-technische im Unterbewußtsein sicher und zuverlässig sich abspielen, auf sich beruhen lassen dürfen. Überlassen wir uns also uneingeschränkt den vorzüglichen Eigenschaften unsres Körpers, soviel wir nur irgend können, ohne daran zu bessern und zu experimentieren, und ersparen wir unserm Geist unnütze Belastung. 36. Wir hatten oben (29) der Einfachheit halber zunächst eine Einzelmuskelbewegung als Beispiel genommen, das entspricht aber nicht der Wirklichkeit. Diese kennt nur von mehreren Muskeln zugleich geschehende Bewegungen, weil die mechanische Einrichtung der Gelenke, die Wirkung der Muskeln auf die Knochen als auf ein- oder zweiarmige Hebel es so verlangt. Auch die einfachste Bewegung ist schon kombiniert, so z. B. wird eine einfache Beugung oder Streckung eines Gliedes stets durch eine Gruppe von Muskeln, Mitwirkem oder Synergisten, ausgeführt.47 Dazu tritt noch die Mittätigkeit der Gegen¬ wirker, der Antagonisten, hinzu. Denn Beugen und Strecken geht zwar gegeneinander und wechselt sich ab, aber dies Gegen¬ einander, dieser Antagonismus, dient auch zur Hemmung, Ab¬ stufung, Präzisierung der Bewegung. Beides, Gegen- und Mit¬ wirken der Muskulatur, Antagonismus und Synergismus, ist untrennbar ineinander verwoben. Noch deutlicher tritt das innige Gegenseitigkeitsverhältnis zutage, wenn man den Ein¬ fluß des nächst höheren Gelenks berücksichtigt, ein Einfluß, der zu charakterisieren ist, als dem Zweck der Gesamtbewegung angepaßt, als ergänzend, fördernd, stützend, aber auch als gegenhaltend, notwendigen Halt und Widerstand verleihend und damit Richtung und Präzision sichernd. Man wolle daran denken, daß gerade an den oberen Gliedmaßen alle Gelenke frei im •* 34 J*