VERKENNUNG DER PHYSIOLOGISCHEN ÜBUNG. sicht, der Zweck. Es ist daher vergebliche Mühe, das unsrer Natur nach Unbewußte künstlich zu einem bewußten Vorgang machen zu wollen, wie es der Fall ist, wenn man versucht, alle die Hautempfindungen bei der Berührung der Taste aufmerk¬ sam zu perzipieren und bewußt zu verarbeiten. Die Tast¬ empfindungen der Fingerspitze an sich wollen einige Musiker bewußt eingeübt wissen (Jaëll, Caland u. a. 46). Es hätte doch nur Sinn, die Tastleistungen zu steigern, wenn man sich über die Oberflächengestalt eines Objekts immer genauer Aus¬ kunft verschaffen wollte, so etwa wie die Blinden ihren Tast¬ sinn auszubilden gezwungen sind. Um den Tastsinn, den von allen Klaviertheoretikern allein genannten, handelt es sich überhaupt gar nicht, die Oberfläche der Klaviertaste ist absolut gleichgültig. Vermutlich ist der Drucksinn stets gemeint, d. h. diejenige Qualität unsres Hautsinnessystems, mittels der die Größe eines auf die Haut wirkenden Druckes zur Kenntnis des Zentralorgans gebracht wird. Ich sage absichtlich: Zentral¬ organs, denn nur ausnahmsweise gelangen Druckreize zu unserm Bewußtsein. Zum Glück für unsre innere geistige Natürlichkeit und Freiheit spielen sich alle die unsre Bewegungen begleitenden und zu ihrer Abstufung und Regulierung notwendigen Druck¬ wahrnehmungen ganz und gar unter unserm hellen Bewußtsein ab. Der Drucksinn leistet übrigens beim Anschlag so Bedeuten¬ des gar nicht, dem Muskel-, Lage- und Bewegungssinn (33) fällt eine weit wichtigere Rolle zu; was jedoch, weil alles unbe¬ wußt, genauer kaum abzuschätzen ist. Jedenfalls verkennt einseitige auf das „Bewußtmachen“ abzielende Ausbildung des Hautsinnes seine eigentliche und wichtigste, d. h. unbewußt ge¬ schehende Tätigkeit, welche mit jeder Verfeinerung einer Be¬ wegung sich auch stets unbewußt in ihrer kontrollierenden Arbeit verfeinert. Versuche, die Übung an den Hautempfin¬ dungen zu beginnen, sind so aussichtslos, wie unnatürlich. Überdies würde die die Druckempfindung kontrollierende be¬ wußte Beobachtung die ganze Aufmerksamkeit beanspruchen, Stkinhauskn, Klaviertechnik. 3 ji 33