293 durch eine allmähliche Anpassung bewirken zu können, lieber das treibende Moment bei der Entstehung der Ein¬ heiten wird aber damit natürlich gar nichts gesagt. Wir haben oben gesehen, wie durch Vereinigung zweier Behaarungscomponenten mittelst Kreuzung eine stär¬ ker behaarte (also besser angepasste, wenn diese Eigenschaft nützlich ist) Form zu stände kam. Durch Kreuzung zweier Formen von derselben Höhe entstanden niedrigere Formen, durch Kreuzung mittelfrüher Formen solche die schneller sich entwickelten und reiften als die Elternformen, und dies allem Anschein nach nur durch Umgruppierung vor¬ handener Einheiten, tatsächliche Beispiele also von Anpas¬ sung und Acclimatisation infolge Fremdbestäubung. Auf Grund Beobachtungen Uber Winterfestigkeit bei verschiedenen Winterweizenformen habe ich im Jahre 1901 ') ausgesprochen, dass es viele erblichen Abstufungen dieser Eigenschaft gebe, dass aber eine erbliche Verände¬ rung der einzelnen Abstufung = Acclimatisation der ein¬ zelnen Form sich nicht hätte konstatieren lassen. Es ist dagegen gar nicht unwahrscheinlich, dass man durch Kreu¬ zung zwischen zwei Formen mit demselben Winterfestig¬ keitsgrad durch Umgruppierung der vermutlich vielen Eigenschaften im äusseren und inneren Bau der Pflanzen, welche die specifische Fähigkeit den Winter auszuhalten als Folge haben, einen erhöhten Grad von Winterfestig¬ keit erreichen kann, obwohl dies noch nicht sicher experi¬ mentell nachgewiesen worden ist. Die Möglichkeit einer Acclimatisation ist jedenfalls bei den Fremdbestäubern in ganz anderem Sinne zu fassen als bei der einzelnen kon¬ stanten Form einer selbstbestäubenden Getreideart. Die sehr grossen (nicht erblichen) direkten Modifi¬ kationen, welche die Anpassungseigenschaften je nach den äusseren Verhältnissen anerkanntlich zeigen (z. B. die ver- *) Sammanställning af hösthvetesorternas vinterhärdighet à Svalöfs försöksfält ären 1898—1899 och 1900—1901. Sver. Utsä- desfören. Tidskr. 1901. p. 154. Bot. Not. 1908. 20