262 wenn man die Resultate verschiedener Kreuzungen über¬ blickt. Die Annahme von Latenz der Merkmale oder von Hybridmutationen, die man zuerst geneigt wäre aufzustellen, fällt weg, sobald die Regelmässigkeit in dem Auftreten der '»neuen» Merkmale konstatiert worden ist. Bei Kreuzungen zwischen schwarz- und gelbkörnigen Hafersorten, von denen ich seit dem Jahre 1900 sieben ver¬ schiedene (d. h. zwischen verschiedenen Sorten) gemacht und in die zweite-dritte u. s. w. Generationen verfolgt habe, spalten sich immer und in regelmässiger Zahl weisskörnige Individuen in der zweiten Generation ab. Dass die weisse Farbe nicht latent oder atavistisch ist, sondern einfach ent¬ stehen muss, wenn man die Annahme von den Merkmals¬ paaren als Vorhandensein und Fehlen der Einheiten fest¬ hält, ist ja leicht zu zeigen. Die schwarze und die gelbe Farbe bilden also kein Merkmalspaar, sondern bezeichnen jede eine Einheit. Schwarz (S) bildet ein Merkmalspaar mit seinem Fehlen (s), und gelb (G) mit seinem Fehlen (g). Es wird sich also folgendes Schema aufstellen lassen, wenn die schwarzkörnige Sorte die schwarze Einheit besitzt aber der gelben entbehrt. schwarzkörnige gelbkörnige Muttersorte Vatersorte schwarz (S) 0 schwarz (s) 0 gelb (g) ^ gelb (G) Es werden also ausser den Elternkombinationen schwarz -f- 0 gelb und 0 schwarz + gelb zwei neue konstante Kombinationen gebildet, nämlich schwarz gelb (schwarz¬ körnig und mit der Muttersorte scheinbar identisch, weil die gelbe Farbe von der schwarzen gedeckt wird) und 0 schwarz + 0 gelb = weiss, welche letztere Kombination also als Neuheit auftritt. Es ist also in der Tat eine dihybride Kreuzung. Die Spaltung in der zweiten Generation wird aus folgender Übersicht ersichtbar.