261 braun- und weissährigen Sorten, braune und weisse Ab¬ kömmlinge abspalten, Eine weissährige Abweichung in einer braunährigen Sorte wird aber erst in der zweiten Generation gefunden (weil die erste Generation braunährig ist) und muss folglich, auch wenn sie aus einer freiwilligen Kreuzung mit einer gelegentlich in der Nähe wachsenden weissährigen Sorte stammt, gleich nach ihrem »Entstehen* konstant sein. Dasselbe ist auch bei anderen Eigenschaften der Fall. Die Konstanz oder Spaltung der auftauchenden Abweichungen solcher Eigenschaften beweist nichts betref¬ fend die Frage, ob diese Abweichungen Resultate von frei¬ willigen Kreuzungen oder spontane Mutationen sind. Hat ja doch de Vries den genialen Gedanken ausgesprochen, dass die Mutationen als Bastarde entstehen müssen oder können. Aber auch wenn die erwähnten Abweichungen zum Teil wirkliche spontane Mutationen bezeichnen, was gar nicht unwahrscheinlich, aber noch nicht endgültig festge¬ stellt worden ist, so geben jedoch die Erfahrungen bei den Getreidearten gar keinen Grund, weshalb man annehmen sollte, dass die Eigenschaften, wenn sie zuerst entstanden, (d. h. als progressive Mutationen) sich damals anders ver¬ halten hätten, als wenn sie in der Gegenwart auftauchen. Besonders wichtig ist auch hervorzuheben, dass alle Eigen¬ schaften, welche die Formendifferenzen bei den genannten Getreidearten bilden, tatsächlich spalten. *) Aus diesem Gesichtspunkte wird sich also nichts der Annahme entgegenstellen, dass die Merkmalspaare aus Vor¬ handensein und Fehlen der Einheiten gebildet werden. Bei den Kornfarbendifferenzen des Hafers* 2) liegen die Verhältnisse sehr einfach, und die Theorie von Vorhanden¬ sein und Fehlen ergiebt sich hier so zu sagen von selbst, ’) Freilich giebt es ja Ausnahmen, aber es ist sicher erwie¬ sen worden, dass solche Ausnahmen nur scheinbar sein können. Vergl. unten. 2) Mit »Kornfarbe» wird hier natürlich die Farbe der Hiill- spelzen verstanden. Bol. Not. 1908. 18