Ist das am Aufbau der Körperzellen beteiligte Fett in seiner Zusammensetzung von der Art des aufgenommenen Nahrungs- • fettes abhängig? Von Emil Abderhalden und Carl Brahm. (Aus dem physiologischen Institut der tierärztlichen Hochschulo, Berlin.) (Der Redaktion zugegangen am 12. März 1909.) Durch zahlreiche Versuche, die wir vor allem J. Munk verdanken, ist einwandfrei festgestellt worden, daß es gelingt, Nahrungsfett im tierischen Organismus zur Ablagerung zu bringen und so einen nicht «körpereigen» gemachten Stoff jenseits des Darmes zu deponieren. Diese Erscheinung nimmt, soviel wir bis jetzt wissen, eine Sonderstellung ein. Die ^eueren Ergebnisse auf dem Gebiete der Verdauung haben zu der Erkenntnis geführt, daß der tierische Organismus mit den Fermenten seiner Verdauungssäfte die Nahrungsstoffe tief abbaut und sie wohl alle in ihre Bausteine zerlegt, um dann aus diesen diejenigen Verbindungen aufzubauen, die in seine ganze Organisation hineinpassen. Sollte das Fett eine Aus¬ nahme machen? Sollte der tierische Organismus abhängig sein von der Art des aufgenommenen Fettes? Der eine von uns hat diese Fragestellung bereits diskutiert und darauf hin¬ gewiesen, daß man das Fett der Depots nicht ohne weiteres mit dem Fett der übrigen Körperzellen identifizieren dürfe. Es blieb noch der Nachweis, ob das in den Körperzellen — mit Ausnahme der eigentlichen Fettzellen — enthaltene Fett, d. h. das als Baustein der Zelle mitbeteiligte Fett eben¬ falls die charakteristischen Eigenschaften des zugeführten Nah¬ rungsfettes zeigt, oder ob nicht vielmehr hier ein ganz spezi¬ fisches, der Funktion der einzelnen Zellen angepaßtes Fett vor¬ handen ist. ') Vgl. Emil Abderhalden, Lehrbuch der physiol. Chemie. 2. Aufl. S. 140 fT. 1909.