Weiterer Beitrag zur Frage nach dem Ah- und Aufbau der Proteine im tierischen Organismus. Von Emil Abderhalden und E. S. London. (Aub dem physiologischen Institute der tierärztlichen Hochschule, Berlin und. der patholog. Abteilung des K. Institutes für experimentelle Medizin, St. Petersburg.) (Der Redaktion zugegangen am U. Februar 1910.) Während jetzt wohl allgemein angenommen wird, daß die Nahrungsproteine im Magendarmkanal einen weitgehenden Ab¬ bau erleiden, ehe sie vom Darme aufgenommen werden, sind die Ansichten über das weitere Schicksal der resorbierten Ab¬ bauprodukte sehr geteilt. Sie sollen nach der Ansicht der tdnen Autoren als solche im Blute kreisen. Es ist zwar noch nie geglückt, in einwandfreier und überzeugender Weise im Blute selbst auf der Höhe der Verdauung Aminosäuren oder höhere Abbauprodukte aus Proteinen nachzuweisen, ja selbst Bestimmungen des Reststickstoffes des Blutes während des Hungers und in Blutproben, die auf der Höhe der Verdauung entnommen worden waren, ergaben keine regelmäßigen und eindeutigen Befunde. Aus diesen Resultaten darf nach dem Stand unserer Kenntnisse nicht ohne weiteres geschlossen wer¬ den, daß nun in der Tat keine tieferen Abbauprodukte der Pro¬ teine resorbiert und an das Blut weitergegeben werden, weil der Einwand volle Berechtigung hat, daß die in der Zeiteinheit aus dem Darmkanal aufgenommenen Produkte an Menge so gering sind, daß sie dem Nachweis entgehen und außerdem dem Blute stets wieder rasch entzogen werden könnten. Eben¬ sowenig darf man jedoch auch, wie es wiederholt geschehen ist, deshalb, weil unsere Methoden nicht fein genug sind, um Spuren von derartigen Produkten nachzuweisen, schließen, daß im Blute trotz aller negativen Befunde Aminosäuren und an¬ dere Abbauprodukte aus Proteinen kreisen. Die zweite An¬ nahme ist die, daß die Aminosäuren und eventuell auch andere höhere Abbauprodukte vom Darm aufgenommen und in seiner Wand wieder zu Eiweiß aufgebaut werden. Das gebildete Ei-