Die Formoltitration der Aminosäuren im Harne., Vorläufige Mitteilung. Von Dr. H. Malfatti. (Der Redaktion zupegangen am s. August 1909.) In der Zeitschrift für analyt. Chemie, Bd. XLVII, S. 27.-5, habe ich eine Methode beschrieben, um im Harne das Ammoniak mit für klinische Zwecke ausreichender Genauigkeit zu be¬ stimmen1) und zwar in der Weise, daß in dem stark ver¬ dünnten Harn die übliche Aciditätsbestimmung vorgenömmen, dann nach dem Eintritt der Neutralität Formol zugefügt und bis zum neuerlichen Auftreten des Farbenumschlags (Phenol¬ phthalein) weiter titriert wird. Dabei ergab sich bei normalen Harnen eine auffallend gute Übereinstimmung der nach Sc Clo¬ sing (und durch Vakuumdestillation, nicht aber nach Folin) erhaltenen Ammoniakwerte, mit den durch Formoltitration ge¬ fundenen. Nur in einem Falle zeigte der Harn eines' an Cholan¬ gitis leidenden Patienten recht merkliche Differenzen zwischen den beiden Bestimmungsmethoden, die ich auf die Anwesenheit von Aminosäuren zurückführen mußte. Später habe ich noch mehrfach im Harne von Leberleidenden und in einem Falle von Typhus dieselbe Erscheinung beobachtet.* Normale Harne habe ich nur mehr in wenigen Fällen daraufhin untersucht und stets die gute Übereinstimmung zwischen Formoltitration und direkter Ammoniakbestimmung gefunden. Ich bemerke das hier, da ich einer brief- lichen Mitteilung von Hr. L. de Jager, Stiens, Niederland, entnehme, daß *) Die Priorität für den Vorschlag hat mit vollem Recht A. Ronchèse reklamiert. Es ist überflüssig, zu bemerken, daß ich meine Arbeit ganz unabhängig von Ronchèse durchgeführt habe ; sie war schon‘lange ein- geseridet, ehe die ersten Referate von Ronchèses Arbeiten in deutschen Zeitschriften erschienen. An dem ausnahmsweise verspäteten Erscheinen meiner Arbeit 1. c. bin ich nicht schuld.