Weitere Beiträge zur Kenntnis der proteolytischen Fermente der tierischen Organe. Von Emil Abderhalden und Andrew Hunter, Carnegie Research Fellow, Edinburgh. - • (Aus dem I. Chemischen Institut der Universität Berlin.) (Der Redaktion zugegangen am 80. Juli 1906.) Vor kurzem hat der eine von uns in Gemeinschaft mit Dr. Teruuchi1) über die Einwirkung von wässerigen Auszügen der Leber des Rindes auf einige Peptide berichtet. Es ergab sich, daß das genannte Organ außerordentlich wirksame proteolytische Fermente enthält. Es wurden Peptide, wie das Leucyl-glycin und Glycyl-glycin* die von aktiviertem Pankreassaft nicht in nachweisbarer Menge gespalten werden, vom Leberextrakt an¬ gegriffen. Beim Leucyl-glycin ließ sich feststellen, daß die Spaltung asymmetrisch verläuft, d. h. es war offenbar 1-Leucin abgespalten worden. Es war wünschenswert, diese Versuche auf weitere Organe auszudehnen, und vor allem war es von Interesse, auch andere Peptide in den Kreis dieser Unter¬ suchungen zu ziehen; und ferner festzustellen, ob die ent¬ sprechenden Organe verschiedener Tierarten in qualitativer und quantitativer Beziehung sich ähnlich verhalten, oder aber, ob sich Unterschiede nachweisen lassen. Es ist bereits bei der ersten Mitteilung betont worden, daß eine exakte Verfolgung der proteolytischen Zellfermente einstweilen einzig und allein mit Hilfe der Peptide möglich ist, denn von ihnen kennt man genau die Struktur ; ferner kann auch im Einzelfalle die Frage entschieden werden, welchen Einfluß die Konfiguration der ein¬ zelnen Verbindungen hat. Bei der vorliegenden Untersuchung benutzten wir nicht wässerige Auszüge von Organen, sondern direkt Organpreßsaft. Auf die Bedeutung solcher Preßsäfte zu physiologischen Unter¬ suchungen hat namentlich E. Buchner hingewiesen. Seiner ‘) Emil Abderhalden und Yutaka Teruuchi, Das Verhalten einiger Peptide gegen Organextrakte, Diese Zeitschrift, Bd. XLVII, S. 466, 1906.