Notiz zur Darstellung von Tyrosin aus Seide. Von Emil Abderhalden und Yutaka Teruuchi, Tokio. I (Aus dem I. Chemischen Institut der Universität Berlin.) (Der Redaktion zugegangen am 30. Juli 1906.) Bei der allgemein angewandten Methode der Darstellung von Tyrosin aus Proteinen wird die Hydrolyse durch 10—16- stündiges Kochen des Eiweißkörpers mit verdünnter (25°/oiger) Schwefelsäure herbeigeführt. Die Schwefelsäure wird hierauf mit einer Lösung von Baryt quantitativ entfernt. Es entsteht hierbei je nach der Menge des angewandten Proteins und damit auch der Schwefelsäure ein mehr oder weniger umfangreicher Niederschlag von Baryumsulfat, der stets noch beträchtliche Mengen von Tyrosin einschließt. Um eine gute Ausbeute an Tyrosin zu erhalten, ist es nötig, den Baryumsulfatniederschlag mindestens zweimal gründlich auszukochen und abzupressen. Sehr gute Dienste leisten hierbei die Zentrifuge und die hydrau¬ lische Presse. Bei diesen Operationen erhält man große Flüssig¬ keitsmengen, deren Verarbeitung zeitraubend ist. Die Gewinnung von Tyrosin nach dieser Methode dauert mehrere Tage. Aus roher Seide erhielten wir durchschnittlich 30—40 g ganz reines Tyrosin. Die Darstellung des Tyrosins läßt sich außerordentlich vereinfachen, wenn die Hydrolyse des Proteins mit rauchender Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,19 herbeigeführt wird. Wir kochten 500 g Seide 6 Stunden mit 1,5 1 rauchender Salz¬ säure am Rückflußkühler und dampften dann die Hydrolysen¬ flüssigkeit sofort unter vermindertem Druck zur Trockene ein. Den Rückstand nahmen wTir in 500 ccm Wasser auf und ver¬ dampften wiederum zur Trockene. Diesen Prozeß wiederholten wir nochmals, um möglichst viel Salzsäure zu entfernen. Schließ-