2 Loewekbeäg, Bewegungsstörungen nach Durchschneidung Durchschneidung der Bogengän ge befi n d en, neue Auf- Schlüsse über die für das Eintreten der Phänomene nöthigen Be- dingungen zu erhalten. So hoffte ich z. B. auf experimentellem Wege die Frage entscheiden zu können, ob die Bewegungen des operirten Thieres wirklich durch Schmerz veranlasst werden, wie es Flourens glaubte, und ob überhaupt das Erhaltensein des Bewusstseins des Thieres für das Eintreten der Bewegungs- Störungen nothwendig ist. Die folgenden Zeilen werden ergeben, in wie fern meine Hoff¬ nungen berechtigt waren und in wie weit es mir gelungen, zum Verständniss des Wresens dieser so dunkeln Thatsachen beizu¬ tragen. In Bezug auf die seltsamen Bewegungen selbst, die nach der Durchschneidung der Halbzirkelgänge auftreten, verweise ich auf die ausgezeichnete Beschreibung derselben im Fl o uren s’sehen Buche (Flourens, Recherches experimentales sur les Propriétés et les Fonctions du Système nerveux. Seconde Edition, page 454 III — 460 VI.). Die Erscheinungen, die ich bei zahllosen Versuchen über Durchschneidung der Canäle beobachtet habe, stimmen so vollständig mit den loco citato geschilderten überein, dass ich jede neue Beschreibung des so oft Beschriebenen als vollkommen über¬ flüssig unterlasse und mich damit begnüge, in Kürze anzugeben, was sich mir etwa Erwähnenswerthes aus denselben ergeben hat. «T' Vor Allem hat sorgfältige Section aller der von mir operir¬ ten Thiere ergeben, dass, entgegen der Ansicht einiger Phvsio- logen, von einer Mitverletzung von Gehirntheilen und dadurch etwa gesetzten Ursache der merkwürdigen Bewegungen keine Rede sein kann. Bei Durchschneidung des horizontalen und des klei¬ nen Verticalcanals steht übrigens eine solche Mitverletzuno- o-anz 0 O J“'1 ausser Frage. Anders verhält es sich jedoch nach meiner Er¬ fahrung mit dem grossen (obern) Verticalcanal ; die innere Wand dieses Canals ragt so in die Schädelhöhle hinein, dass eine vollstän¬ dige Zerstörung dieses Canals ohne Läsion des Kleinhirns nicht ausgeführt werden kann. Ferner ergeben meine Versuche ein dem von Hin. Prof. Czermak angegebenen entgegengesetztes Resultat. Bekanntlich ist nach seiner Ansicht Erbrechen eine constante Folge von Ver¬ letzung der Semicircularcanäle; ich habe dagegen bei der grossen Anzahl von Versuchen, die ich angestellt, nur einmal bei einer Taube nach der Operation Erbrechen beobachtet. Wie jedoch aus dem Protocolle dieses sogleich anzuführenden Experimentes