Ueber die nach Durchschneidung der Bogengänge des Ohrlabyiinthes auftretenden Bewegungsstörungen*). Von Dr. Loewenberg in Paris. Eine der merkwürdigsten Thatsachen, die Flourens bei seinen schönen Versuchen über die Bewegungsstörungen bei Thieren gefunden hat, ist unstreitig die, dass nach Durchschnei¬ dung der Semicircularcanäle des Ohres bei den operirten Thieren höchst auffallende Bewegungen des Kopfes, sowie des übrigen Körpers auftreten. Seit langem Jahren mit Specialstudien über das Ohr im gesunden sowohl als im kranken Zustande beschäftigt, konnte ich nicht umhin, an diesen so auffallenden Phänomenen das lebhafteste Interesse zu nehmen, und beschloss dem entspre¬ chend, eine weitere Bearbeitung dieses interessanten Gegenstandes vorzunehmen, um so mehr, als ich einige Angriffspunkte gefunden zu haben glaubte, die dem Verständnis des Mechanismus dieser Erscheinungen näher führen konnten. Anstatt nämlich, wie diess bisher geschehen, einfach die Flourens’schen Versuche zu wiederholen, schien es mir möglich, durch eine Modification des Zustandes, in dem sich die Thiere während der *) Anmerkung. Vorliegende Arbeit ist im Sommer 1869 in französischer Sprache abgefasst und am G. Juni 1870 der Académie des Sciences behufs einer Preisbewerbung eingcreicht worden. Aeussere Umstände haben ihre 'Veröffent¬ lichung bisher verhindert und den Verfasser ausserdem abgehalten, später erschie¬ nene Arbeiten, besonders die Untersuchungen von Trof. Goltz, zu berücksichtigen. Da jedoch die vorliegende Arbeit von Gesichtspunkten ausgeht, die von denen anderer Untersucher durchaus abweichen, so dürfte die Veröffentlichung der darin enthaltenen Resultate vielleicht nicht ohne Interesse sein. Verfasser legt dieselben in diesem Sinne seinen Fachgenossen vor, indem er sich vorbehält, auf das seit 1869 Geleistete später Rücksicht zu nehmen.