lieber die physiol. Bedeutung der Bogengänge des Ohrlabyrinths. 189 bene Organ einer Seite hinreicht, um dem Centrum im Gehirn die nöthigen Nachrichten über die Stellung des Kopfes zu geben. Wir wenden uns jetzt zur Erledigung einer andern Frage. Wenn es nach unserer Hypothese begreiflich scheint, dass eine Taube mit verstümmelten Bogengängen den Kopf verdreht trägt, und wunderliche Bewegungen mit ihm ausführt, weil sie eben weder Hal¬ tung noch Bewegung des Kopfes richtig zu schätzen weiss, so wird dadurch doch noch immer nicht verständlich, warum das Thier nicht fliegen kann, warum es auf die Stuhllehne gesetzt so leicht herun¬ terfällt. Kurz, es ist nicht klar, warum die Gleichgewichtsstörung des Kopfes sich auf den Rumpf überträgt. Wenn wir dieser Ein¬ wendung gegenüber unsere Hypothese aufrecht erhalten wollen, so bleibt uns offenbar nichts übrig, als zu behaupten, dass die allge¬ meinen Störungen des Gleichgewichts allerdings nothwendige Folge sind von dem gestörten Gleichgewicht des Kopfes. Die Zulässig¬ keit dieser Behauptung muss aber erst erwiesen werden, und dieser Forderung glaube ich genügen zu können, indem ich über den Er¬ folg des nachstehenden Experiments berichte. Ich habe einer vollständig gesunden Taube den Kopf mittelst der blutigen Naht genau in derselben Stellung vor der Brust be¬ festigt, welche der oben beschriebene Tauber freiwillig wählt. Dei Kopf wurde also nach rechts so weit herumgedreht, bis der Scheitel dem Erdboden zugewandt war, und sodann die Haut des an die Brust angelegten Hinterhaupts mit der Brusthaut vereinigt. Setzte ich das Thier eine W7eile nach dieser geringfügigen Operation auf die Lehne eines Stuhles, so fiel es sofort nach hinten herab, als ich den Stuhl nur wenig neigte. Liess ich das Thier frei in der Luft los, so stürzte es unter lebhaftem Flügelschlag senkrecht auf den Fussboden. Die Taube war demnach ganz aussei Stande, zu fliegen. Setzte ich das Thier auf den Boden, so zeigte es keine Neigung, von selbst den Standort zu verlassen. Gab ich der Taube wiederholte Stösse, so machte sie einige Schritte rückwärts. Wir sehen, dass diese Erscheinungen in vielen Punkten die gi össte Aehn- lichkeit darbieten mit denen, die wir an der Taube mit zerstörten Bogengängen sahen. Es ist nicht schwer, einige von den geschil¬ derten Beobachtungen zu erklären. Wenn ich eine Taube auf eine Stuhllehne setze und den Stuhl hin- und herneige, so sehe ich, dass das Thier durch zweckentsprechende Bewegungen von Kopf und Hals das Gleichgewicht festzuhalten weiss. Nähe ich dem Thier