174 Fr. Goltz: Ueber gefässerweiternde Nerven. Von Prof. Fr. CÄoltz zu Strassburg i. E. Unter Mitwirkung von Dr. A. Freusberg. Die Lehre von der Thätigkeit der gefässverengenden oder vasomotorischen Nerven bildet einen umfassenden und inhaltreichen Abschnitt der heutigen Physiologie. Dagegen wurde die Frage, ob es gefässerweiternde Nerven gibt, verhältnissmässig nachlässig be¬ arbeitet. Abgesehen von den verdienstlichen Untersuchungen S chiff ’s, welche einen durchschlagenden Erfolg nicht erzielten, waren es nur zwei Thatsachen, welche ziemlich allgemein aus einer Tätigkeit von ge- fässerweiterndern Nervenfasern abgeleitet wurden. Einmal nimmt man an, dass die sogenannten Nn. erigentes Eck hard’s, nach deren Reizung sich die Gefässräume der Schwellkörper des Penis strotzend mit Blut füllen, solche gefässerweiternde Nerven enthalten. Der zweite Nerv von ähnlicher Function ist die Chorda tympani, denn nach Reizung dieses Nervs sieht man die sämmtlichen Gefässe der Unterkieferdrüse sich stark erweitern. Die übrigen Thatsachen, welche sonst noch als beweisend für das Bestehen gefässerweitern¬ der Nerven angeführt wurden, sind von den meisten Beobachtern nicht gehörig gewürdigt oder abweichend gedeutet worden. So ist also die Lehre von den gefässerweiternden Nerven noch ein unsicheres, an wohl begründeten Angaben armes Gebiet. Der Versuch, welchen ich S. 496 im achten Bande d. Archiv’s mitgetheilt habe, hat mich zu einer ausgedehnten Versuchsreihe angeregt, die ich zusammen mit Dr. Fr eusb erg ausgeführt habe. Das Hauptergebniss dieser Versuche war, dass ich dazu gedrängt bin, den gefässerweiternden Nerven eine ausserordentliche Bedeutung zuzuschreiben. Thatsachen, die man gewohnt ist, aus einer Lähmung gefässverengender Nerven abzuleiten, werde ich umgekehrt aus einer gesteigerten Thätigkeit gefässerweiternder Nerven zu erklären versuchen. Zur Schilderung unserer Versuche werde ich nicht die Reihenfolge wählen, in der die Versuche entstanden, sondern ich werde sie lieber so aneinander- schliessen, dass der Leser auf die bequemste Weise zu den Schluss¬ folgerungen hingeführt wird, welche ich für unausweichlich halte.