Über den Farbstoff der Tomate. Von . . Richard Willstätter und Heinr. H. Escher. Mit einer Tafel und einer Abbildung. <Aus dem chemischen Laboratorium des schweizerischen Polytechnikums in Zürich.) (Der Redaktion zugegangen am 19. November 1909.) Der Farbstoff der Tomate, der Beerenfrucht von Lyco- persicum esculentum, ist zuerst von A. Mil lard et1) in krystal- v linischem Zustande isoliert und Solanorubin genannt worden. Später haben andere Forscher über das Pigment gearbeitet und es als carotinartig erkannt ; bis in die letzten Jahre blieb aber die Frage umstritten, ob es identisch sei mit dem Carotin aus Daucus Carota. A. Arnaud2) spricht diese Annahme aus, auch N. Passerini,3) am bestimmtesten F. 0. Kohl4) mit den Worten: «Ich habe deshalb das Tomatencarotin genau untersucht .... Der isolierte Farbstoff der Tomatenfrucht ist identisch mit dem Daucus-Carotin.» In einer sorgfältigen spektralanalytischen Arbeit über «The Xanthophyll group of yellow colouring matters» hat C. A. Schunck5) auch das Pigment der Tomate behandelt und in Krystallen beschrieben. Er kennzeichnet es nach den Eigen¬ schaften und dem Absorptionsspektrum als ähnlich dem Carotin, aber deutlich davon unterschieden. Schunck gibt dem Farb¬ stoff den neuen Namen Lycopin, den wir übernehmen. ‘) Note sur une substance colorante nouvelle (Solanorubine;, dé¬ couverte dans la tomate, Nancy 1876. *) Compt. rend., Bd. Cil, S. 1119 (1886). 3) Le stazioni sperimentali agrarie ital.. Bd. XVIII. S. 545 (1890). 4) Untersuchungen über das Carotin und seine physiologische Be¬ deutung in der Pflanze, Leipzig 1902, S. 41. 5) Proc. Roy. Soc., Bd. LXXII, S. 165 (1908;.