Vergleichende Untersuchungen über die Zusammensetzung und den Aufbau verschiedener Seidenarten. V. Mitteilung. Die Monoaminosäuren aus «Nièt ngö team »Seide (China ». Von Emil Abderhalden und 6. Alessandro Brossa. (Aus dem physiologischen Institute der tierärztlichen Hochschule. Berlin.) (Der Redaktion zugegangen am 15. August 1009.) Die zu der vorliegenden Untersuchung verwendete Seide verdanken wir der Liebenswürdigkeit des Herrn Missionar Karl Ramminger in Logong. Wir erhielten die als «Niet ngö tsäm» bezeichnete Seide in Form von Cocons. Sie stammen von einer sich von Maulbeerblättern nährenden Raupe. Fs wurden nur solche Cocons zur Hydrolyse verwendet, welche nicht verunreinigt waren. Zunächst kochten wir in gewohnter Weise den Leim aus. 200 g Cocons gaben 30 g Leim = 15°/o, Beim Trocknen bis zur Gewichtskonstanz bei 100° ergab sich ein Gewichtsverlust von 1,1 °/o. Der Aschengehalt betrug l,2°/o. Bei der Hydrolyse mit 25°/oiger Schwefelsäure verblieben 1,0.% an Melaninsubstanzen. Die Stickstoffbestimmung ergab 16,5°/oN. Da wir nur wenig Material zur Verfügung hatten — 150 g trockene, aschenfreie Substanz —, so führten wir die Bestimmung von Tyrosin und der übrigen Monoaminosäuren mit der gleichen Substanzmenge durch. Wir hydrolysierten die Cocons durch 16ständiges Kochen mit 25°/oiger Schwefelsäure, filtrierten dann vom Ungelösten ab, fällten die Schwefelsäure quantitativ mit Baryt und schieden dann durch Krystallisation das Tyrosin ab. Seine Menge betrug 7,8°/o. Die Mutterlauge des Tyrosins diente zur Gewinnung der übrigen Monoaminosäuren. Sie wurden in der üblichen Weise nach erfolgter Veresterung, Infreiheitsetzung der Ester, Destillation der freien Ester und nachfolgender Ver-