Über das Vorkommen eines krystallislerbaren nicht koaguiierbaren Eiweißstofes im Harn bei einem Falle von Magencarcinom. Von 0. Schümm und A. Kimmerle. Mit einer Tafel in Lichtdruck. > (Aua der Direktorialabteilung [Prof. Dr. L. Brauer] und dem Chemischen Laboratorium [Vorsteher: 0. Schümm] des Allgemeinen KrankenhauseaHamburg-Eppendorf.) (Der Redaktion zugegangen am 13. Mai 1914.) Die spontane Krvstallisierung eines im Harn enthaltenen Eiweißstoffes ist unseres Wissens bislang nur einmal beob¬ achtet worden und zwar von Byron Bramwell und Noël Paton.1) Der Harn enthielt 1,5—5,16°/o Eiweiß. Nach den von Noël Paton ausgeführten Analysen bestand das Harn¬ eiweiß zu rund 93—96°/o aus Globulin, zu 4—7°/o aus Albu¬ min. Beim Erhitzen zum Sieden gerann der sauer reagierende Harn fast vollständig unter Bildung einer fibrinartigen Masse, die einen beträchtlichen Grad von Dehnbarkeit und Elastizität besaß. Beim Aufbewahren des Harns in einer verschlossenen Flasche entstand im Laufe von Tagen oder Wochen ein Nieder¬ schlag von Eiweißkrystallen. Sie entstanden auch, wenn der aus dem Harn durch Halbsättigung mit Ammoniumsulfat aus¬ gefällte Eiweißniederschlag 4—5 Tage gegen fließendes Wasser und 2 Tage gegen destilliertes Wasser dialysiert wurde. Beim Ansäuern einer schwach ammoniumsulfathaltigen Lösung des Eiweißstoffes mit Essigsäure wurden keine Krystalle gewonnen. N o ë 1P a t o n hielt den krystallisierten Eiweißstoff für ein Globulin. Die Krystalle waren aschefrei, wenigstens hinterließen 0,î)65 g keine wägbare Menge Asche. Sie waren unlöslich in kaltem und heißem Wasser und in Alkohol, lösten sich aber in schwachen Lösungen von Kochsalz und Ammoniumsulfat, ferner in Salzsäure, Schwefelsäure, Essig¬ säure, Kalilauge und Ammoniak. Beim Verdunsten der ammoqiäkalischen * Lösung schied sich die Substanz zuweilen wieder in Krystallen aüs. Sie gab die Xanthoproteinreaktion, die Reaktion von Liebermann und *) Reports from the laboratory of the Royal College of Physicians, Edinburgh, Bd. 4, S. 47, 1892. Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. physiol. Chemie. XCH. 1 r