Die Arbeitscurve. 463 aufsteigender Verlauf der Arbeitscurve besonders bei solchen Arbeiten beobachtet wird, die wenig geübt und daher dem Uebungseinflusse sehr zugänglich sind, wie das Buchstabenzählen zu 3, sowie das Lernen von Zahlen (Fig. 3) und Silben. Allerdings ist von einer Regelmäßigkeit dieses Verhaltens so wenig die Rede, dass eine einheitliche Deutung der sich anscheinend viel¬ fach widersprechenden Erfahrungen auf den ersten Blick unmöglich scheint. Gerade beim Silbenlernen liegt unter 10 Reihen 6 mal die höchste Leistung in der ersten Viertelstunde ; andererseits finden wir dieselbe Erscheinung beim Schreiben 5 mal und beim Lesen 4 mal wieder; bei letzterem wird der beste Werth einmal auch erst am Schlüsse erreicht. Die Lösung dieser und anderer ähnlicher Schwie¬ rigkeiten liegt in der Erwägung, dass wir es in der Gestaltung der Arbeitscurve mit einem Kampfe entgegengesetzter Einflüsse zu thun haben, von denen der eine oder der andere die Oberhand gewinnen kann. Das Erlernen 12 stelliger Reihen von sinnlosen Silben, wie es hier geübt wurde, ist nicht nur eine ungewohnte, sondern auch eine anstrengende Arbeit. Bei der Mehrzahl der Versuchspersonen war daher anscheinend die ermüdende Wirkung dieser Leistung stärker, als die allmählich sich herausbildende Erleichterung durch die Uebung; bei zwei anderen war es gerade umgekehrt, während die letzten Zwei nach kurzem Ueberwiegen der UebungsWirkung späterhin wachsende Ermüdungslähmung darboten. Ein ganz ähnlicher Widerstreit be¬ stand offenbar beim Zahlenlemen, doch trat bei dieser weniger an¬ strengenden Arbeit die Ermüdung etwas mehr hinter den Uebungs- einflüssen zurück. Beim Schreiben war es ohne Zweifel vorzugsweise die Ermüdung der Hand, die in der Hälfte der Reihen von vorn herein ein Sinken der Leistung bedingte. Dagegen haben wir im flüsternden Lesen eine Leistung vor uns, die, anders als das Silben- lemen, weder ermüdend, noch der Uebung sehr zugänglich ist. Wenn sich hier die Arbeitscurve mehrfach von vorn herein senkte, so lag das an der Geringfügigkeit des Uebungsfortschrittes, und wenn trotz¬ dem auch einmal der höchste Werth am Ende der Reihe lag, so haben wir dafür das Ausbleiben stärkerer Ermüdungswirkungen ver¬ antwortlich zu machen. Es bietet keine Schwierigkeit, unter diesen Gesichtspunkten ein allgemeines Verständniss für den Ausfall der verschiedenartigen, von