248 Hensen, Die Physiologie der Zeugung. 12. Cap. Fruchtbarkeit u. Wachsthum. Von dieser Zahl wären also noch 20 % für die unfruchtbaren Frauen in Abzug zu bringen. Es lassen sich gegen die Rechnungsweise manche Bedenken geltend machen, z. B. das, ob es richtig sei, das volle Gewicht der Frau in Rechnung zu stellen, da sie erst nach zwei Decennien dies Gewicht erlangt und andererseits ob nicht die 40 Wochen ihrer Embryo¬ nalperiode mit in Ansatz zu bringen seien. Die ganze Rechnung ist je¬ doch überhaupt nicht exact zu machen, daher glaube ich, dass es ge¬ nügen wird, bei dieser Annäherung vorläufig stehen zu bleiben. Für die meisten Thiere genügen die bisher gesammelten Daten nicht, um eine Rechnung aufzustellen. Was wir darüber besitzen, hat Leuckart in Tabellen aufgestellt, auf welche verwiesen werden darf. Hier mögen nur einzelne Beispiele genannt werden. Eine Leghenne hat nach Leuckart eine Jahresproductivität gleich 5, ein afrikanischer Finke, Pytalia subflava1, legte bei einem Gewicht von 5.86 Grm. im Jahr 121 Eier mit einem Gewicht von 95.35 Grm., dies giebt die stärkste mir bekannte Jahresproductivität, nämlich 16.3, dabei ist noch nicht in Rechnung gezogen, dass 54 von den 121 Eiern von dem Pärchen wirklich ausgebrütet wurden. Im Uebri- gen möge erwähnt werden, dass man vom Hausen und Kabliau 3 und 4 Millionen, vom Stichling nur 180 Eier erhält, dass eine Taenia solium 40, ein Spulwurm 60 Millionen Eier abgiebt. Leuckart hat an seine Untersuchungen über die Fruchtbarkeit Bemerkungen geknüpft, welche über die Mannigfaltigkeit der Ver¬ hältnisse von Productivität sowie von Zahl und Gewicht der Eier einiges Licht bringen. Der für eine grosse Productivität nothwendige Ueberschuss an Stoffen wird desto leichter gewonnen, je günstiger sich der Erwerb gegenüber dem Verbrauch stellt. Es findet sich, dass im Allgemeinen die Production von Zeugungsmaterial mit der Grösse der Art abnimmt, dies würde sich nach Bergmann so erklären, dass der grössere Körper für seine Bewegung mehr Kraft aufwenden muss wie der kleinere, weil nämlich die Masse des Körpers im Cubus, die Kraft der Muskeln im Quadrat der linearen Grössenzu¬ nahme wachsen. Namentlich kommt die Leichtigkeit des Erwerbs der Nahrung in Betracht, in welcher Beziehung die Hausthiere und die Parasiten besonders begünstigt sind. Für die Grösse und Zahl der Eier ist das Bedürfniss des Embryo bestimmend, dieses nimmt im Allgemeinen mit der Einfachheit der Organisation mehr und mehr ab, so dass die niederen Thiere eine weit grössere Anzahl von Eiern zu produciren pflegen wie die höheren. Das embryonale Bedürfniss sinkt jedoch in noch weit höherem Maasse, wenn es genügen kann, 1 E. Roy, Der zool. Garten. XIII. S. 87.