Physikalische und chemische Eigenschaften. 347 nackten amöboiden Protoplasmen ist meist die oberflächliche Schicht fester als das Innere, kann sogar, dauernd oder vorübergehend, zu einer ziemlich festen Membran werden. Für gewöhnlich fehlt eine solche jedoch, da an jeder beliebigen Stelle der Körperoberfläche feste Körper aufgenommen werden können, wie Fütterung mit Farb¬ stoffkörnchen (Indigo, Karmin u. s. w.) in jedem Falle leicht zu be¬ obachten g'estattet.1 — In vielen Fällen ist das Innere fester, die oberflächliche Schicht sehr weich, oft klebrig (Pseudopodien vieler Rhizopoden, Actinospkaerium u. a.). Fast ausnahmslos birgt das Protoplasma Einschlüsse, welche bei den Bewegungen eine passive Rolle spielen. Abgesehen von zufäl¬ ligen Vorkommnissen, wie von aussen aufgenommenen festen Körpern, sowie von Kerngebilden, sind es namentlich Körnchen und Vakuolen, meist von äusserst geringer Grösse. Die Körnchen können in sehr grosser Zahl, aber auch sehr sparsam Vorkommen. Die meisten scheinen albuminoider, andere fettiger, wieder andere anorganischer Natur (kohlensaurer Kalk z. B. bei einigen Myxoplasmodien) zu sein. Selten sind Farbstoffkörnchen (manche Myxomyceten, Protamoeba aurantiaca etc.). Sehr häufig finden sich die Körnchen ausschliesslich im Innern des Protoplasma. Man unterscheidet dann eine, oft ziemlich dicke glashelle körnerfreie Rindenschicht oder Hautschicht und eine körnige und deswegen trübe Innenmasse (besonders deutlich bei Amöben und Myxoplasmodien). Beide können zeitweise sehr scharf von einander abgegrenzt erscheinen, sie pflegen sich jedoch während der Bewe¬ gungen beständig zu vermischen und wieder zu trennen. Wo körnchenhaltiges Protoplasma sich zu sehr dünnen Fäden gestaltet (Pseudopodien der Rhizopoden, Radiolarien u. s. w., Faden¬ netz von Noctiluca, viele Pflanzenzellen), ragen die Körnchen oft über die Oberfläche hervor. Ja sie kommen dann nicht selten Vorzugs- weise in der oberflächlichen Schicht vor. Auch Fremdkörper bleiben leicht an der Oberfläche nackter Protoplasmen kleben und können dann in derselben Weise wie die eigenen Körnchen fortbewegt wer¬ den (Rhizopoden, Oscillarien, Diatomeen u. s. f.). Die sehr körnerreichen Partien des Protoplasma scheinen im Allgemeinen eine geringere Cohäsion als die körnerfreien zu besitzen. So strömt das körnerreiche Innere der Myxoplasmodien und Amöben oft innerhalb der festeren Rindenschicht wie eine dünnflüssige Emul- 1 E. Haeckel. Die Radiolarien S. 104—106; v. Recklinghausen, Arch. f. pa- thol. Anat. XXVIII. S. 184: W. Preyer, ibid. XXX. S. 420; M. Schultze. Arch. f. microscop. Anat. I. S. 23.