306 Nasse, Chemie u. Stoffwechsel d. Muskeln. 1. Cap. Der chem. Bau d. Muskeln. und Hermann von der Milchsäure, dass sie in starker Verdünnung den Eintritt der Todtenstarre beschleunigt, von den stärkeren Säuren ebenfalls in sehr verdünnter Form, nach Beobachtungen am Muskel - plasma wie am frischen Muskel, dass sie anfangs Myosin fällen, im lebenden Muskel nach mehr oder minder heftigen Zuckungen, denn die verdünnten Säuren sind Muskelreize, dann aber das Myosin wie¬ der lösen, so dass es jedenfalls nicht zum vollkommenen Bild der Starre kommt. Ein nachträgliches theilweises Lockern des Myosin¬ gerinnsels soll nach Kühne auch die in dem Muskel selbst ent¬ wickelte Milchsäure bewirken können, daher der todtenstarre Muskel schon wieder weicher wird, bevor es zur lösenden Fäulniss kommt. Wie bei Behandlung mit verdünnten Mineralsäuren die übrigen Theil- erscheinungen sich entwickeln, ist unbekannt, doch lassen schon J. Munk’s Angaben über die grosse Empfindlichkeit des zuckerbil¬ denden Fermentes vermuthen, dass die Entwicklung nicht vollkom¬ men ist. Damit stimmt auch überein, dass es bei den stärkeren Säuren nicht zur Kohlensäureentwicklung kommt, nur zum Freiwerden der früher erwähnten fest gebundenen. Einzig in Kohlensäure scheint nach den übereinstimmenden Mittheilungen von G-. von Liebig 1, J. Ranke'2 und Hermann3 die Erstarrung vollkommen zu werden und zwar rascher als in atmosphärischer Luft. Auch kommt es hier nach Hermann sicher zur Bildung von Milchsäure, und ist der Kohlehy¬ dratverlust nach 0. Nasse4 sicher eben so gross wie bei dem in atmosphärischer Luft erstarrten Muskel, nur scheinen in den späteren Zeiten der Starre, lange nach der vollständigen Gerinnung des Myo¬ sins, die einzelnen Prozesse nicht mehr in derselben Weise neben einander zu verlaufen wie bei normaler Erstarrung. 1 G. v. Liebig, Arch. f. Anat. u, Physiol. 1850. S. 393. 2 J. Ranke, ibid. 1864. S. 320. 3 Hermann, Unters, über den Stoffwechsel der Muskeln S. 54. Berlin 1867. 4 0. Nasse, Arch. f. d. ges. Physiol. XV. S. 471. 1877.