ÜBER SCHLEIMIGEN URIN. 167 sie auch bei alkalischer Reaktion. Dagegen entwickelten sie sich gut in mit Traubenzucker versetztem Urin. Subcutane und peritoneale Impfung gab mir bei Kaninchen und Meerschweinchen ebenfalls negative Resultate. Daraufhin ging ich zu grösseren Tieren, und zwar zu Hunden, über, wählte aber auf Dr. Gabritschewski’s Rat hin einen andern Weg zur Ansteckung. Mittels eines Katheters wurde den Tieren der Urin entzogen und ihnen mit demselben Ka¬ theter in die Harnblase eine eintägige Agar-Kultur in physiologischer Koch¬ salzlösung eingeführt. Ich wiederholte die Operation 3—T-mal, nach Pausen von 5—6 Tagen, damit die traumatische Reaktion aufgehört habe. Als mehrere Versuche dieser Art mir negative Resultate ergeben hatten, änderte ich die Versuchsbedingungen. Um zu entscheiden, ob das Wachsen der Bakterien nicht vielleicht vom Eiweiss abhängt, reizte ich vorerst die Nieren durch kleine Dosen von Cantharidin bis zum Erscheinen von Eiweiss¬ spuren im Urin und führte erst dann die Kultur ein. Auch diese Versuche ergaben negative Resultate. Ein andere Versuchsreihe wurde unter der Bedin¬ gung von Erscheinen von Zucker im Urin in Angriff genommen. Durch Phlo¬ ridzin wurde bei Hunden zeitweiliger Diabetes hervorgerufen und dann eine Bakte¬ rienkultur in die Harnblase eingeführt. Es ist erwähnenswert, dass die Wahl der Hunde von grosser Bedeutung ist. Als die tauglichsten erwiesen sich Hunde von sog. <lymphatischer Konstitution» (schwerfällige, mit wenig ausgeprägter Muskulatur;. Hunde von sog. <Sanguinischer Konstitution» erwiesen sich als untauglich. Bei mehrmaliger Wiederholung dieser Operation und wiederholter Phloridzineinspritzung wurden bei einigen Hunden folgende Erscheinungen be¬ obachtet: der Urin war dickflüssiger, schleimig und es konnten aus demselben ebenso solche Bakterien ausgeschieden werden. Ausserdem erzeugte Äther so¬ wohl im Urin von kranken Menschen als in demjenigen der erkrankten Hunde einen geleeartigen Niederschlag. Diese Eigenschaft behielt der Urin der erkrankten Tiere 4—A Wochen nach der letzten Injektion der Kultur in die Harnblase. Gegen das Ende dieser Zeit nahm der Urin allmälig seine normalen Eigenschaften an, und die Bakterien verschwanden daraus. Bei einem Kranken dauerte die schleimige Beschaffenheit des Urins zwei Jahre lang, wonach dieser nach und nach sein normales Aussehen wiedergewann, und die Menge der Bakterien darin immer mehr abnahm. Was den Stoff anbetrifft, der von den Bakterien ausgeschieden wird, so gehen die Ansichten der Autoren darüber auseinander. Die einen sehen ihn für ein Kohlenhydrat, die andern für einen eiweissartigen Körper an. Alle haben ihn nur qualitativ untersucht, wahrscheinlich weil es schwer ist diesen Stoff in genügender Menge zu sammeln. Der Liebenswürdigkeit des Arztes, der den erwähnten Kranken behandelte, verdankte ich es, dass ich den im Laufe eines Monats ausgeschiedenen Urin in einer für die Elementaranalyse genügenden Quantität sammeln konnte. Nach demselben Verfahren schied ich den Stoff auch aus dem Urin der erkrankten Tiere aus. Die chemische Untersuchung des erhaltenen Stoffs wird der Gegenstand meiner nächsten Mitteilung sein.