Über schleimigen Irin. Von A. D a v i d o w, Vorläufige Mitteilung. Aus dem physiologischen Institut der K. Universität Moskau. Im Jahre 1888 beschrieben Malerha und Sanna-Salaris einen Bacillus, den sie Glyschrobakterium benannten und im Urin, in welchem er eine schlei¬ mige Veränderung (Glyschrurie) hervorruft, gefunden hatten. Seitdem sind 4 Fälle beschrieben worden. In allen wurde der Bacillus, der diese Verände¬ rungen bedingt, gefunden. Ein solcher Urin kommt sehr selten vor. Rotlimann sagt, dass siebzigtausend in Charkow vorgenommene Aualysen nur drei solche Fälle geliefert hatten. Mir selbst ist während der Ausführung zahlreicher medicinischer Analysen ein solcher Urin nur einmal vorgekommen. Ich finde es angemessen diesen Bakterien einige Worte zu widmen, da ich imstande bin zur Kenntnis derselben etwas beizutragen. Es wurde mir von einem Kranken ein Urin zugestellt, welcher folgende Eigenschaften besass: beim Umgiessen desselben aus einem Gefäss in ein an¬ deres fiel dessen Konsistenz, die man mit derjenigen des Glycerins verglei¬ chen konnte, auf. Der Urin war trübe, reagirte stark alkalisch, hatte ein ziemlich niedriges specifisches Gewicht (1,012) und enthielt dabei 1% Trau¬ benzucker und Spuren von Albumin. Bei der mikroscopischen Untersuchung war der Befund: sehr viele kurze Bacillen, eine bedeutende Menge Leukocy- ten, eine geringe Menge platter Epithelzellen und etwas Schleim. Die erste Voraussetzung, dass der Urin eine grosse Quantität Mucin enthielt, war nicht richtig, da er die Reaktion auf Mucin nicht gab, und unter dem Mikroscop sehr wenig Schleim zeigte. Dieser Umstand leitete zu der Frage, ob die Konsistenz des Urins nicht etwa von den in dem¬ selben befindlichen Bakterien abhing. Um eine Antwort darauf zu finden, schied ich alle Mikroorganismenarten durch Plattenkultur aus. In Petri s Scha¬ len entwickelte sich auf Fleisch-Pepton-Agar-Agar fast nur eine Bakterienart. Diese Bakterien erscheinen als kurze, bewegungslose, mit sämmtlichen Ani¬ linfarben sich gut färbende Stäbchen; nach Gram’s Verfahren färben sie sich nicht. Es werden gewöhnlich nicht ganz reine mikroscopische Präpa¬ rate erhalten, da die Stäbchen von der Substanz, die sie ausscheiden, umge¬ ben sind. Sie wachsen am besten bei 37°, bei Zimmertemperatur weniger gut und nicht so typisch. Die im Thermostat gewachsenen Kolonien erscheinen et¬ was gewölbt, braun gefärbt, körnig und mit glatten Rändern. Mit einer Pla¬ tinnadel lässt sich fast die ganze Kolonie mit daran hängenden Parzellen des Nährbodens abheben. Auf dem schiefen Agar-Agar im Probirgläschen, wo sie an einen Bandwurm erinnert, bedeckt sich das Kondensationswasser mit einer