Litteraturbericht. G. Asch aff enbukg. Welchen Nutzen kann die experimentelle Psychologie der Pädagogik bringen? Die Kinder fehler (Zeitschr. f. pädagog Pathol, u, Therap.) I. (2). 37—41. 1896. Der Arzt hat in der Frage der Kindererziehnng einerseits festzu¬ stellen, unter welchen Umständen die geistige Leistungsfähigkeit der Kinder gestört wird, welche Störungen sich ergehen, aus welchen Ur¬ sachen sie resultieren ; daraus wird sich sein prophylaktisches und thera¬ peutisches Eingreifen richten. Andererseits hat er festzustellen, wieviel an Leistungen man von dem gesunden, wieviel von dem kranken Kinde fordern kann und darf, um dem Pädagogen einen Mafsstab für seine An¬ forderungen in die Hand zu geben. Die Arbeiten Kraepelins und seiner Schule, die diese Ziele erstreben, werden gegen die Angriffe Kichters (Unterricht und geistige Ermüdung, Lehrproben und Lehrgänge, Heft 45), Verteidigt. Es ist dies heute sehr angebracht, da die „experimentelle Pädagogik“ sehr beliebt zu werden anfängt und bereits Arbeiten von Leuten zu Tage treten, die nicht genügend mit der Methodik der experi¬ mentellen Psychologie vertraut sind. Gerade für die pädagogische Pa¬ thologie sind die Versuche Kraepelins von gröfstem Werte, da nur sie eine wissenschaftliche Grundlage bieten. Max Erahn (Leipzig). Harris Taylor. Two deaf girls. The silent Worker. Vol. VIII. No. 2, S. 11—12. Trenton N. J. 1895. Taylor veröffentlicht einen Auszug aus dem Tagebuch der Lehrerin am Pennsylvania-Institut Miss Julia A. Poley, welcher sehr interessante Beobachtungen über die geistige Entwickelung zweier taubstummen Mädchen im Alter von 8 Jahren enthält, die beide im Anfang den Ein¬ druck schwachsinniger Kinder machten. Während jedoch das eine keine merklichen Fortschritte zeigte und sich allen Einflüssen gegenüber apathisch verhielt, gelangte das andere spontan zu einer Anzahl wich¬ tiger Begriffe und lernte schliefslich von einer Mitschülerin einige Wörter sprechen, was um so bemerkenswerter ist, als der Versuch, das Mädchen methodisch zum Sprechen zu bringen, früher fehlgeschlagen war. Theodor Heller (Wien).