Litteraturbericht. 301 wähnt sei nur, dafs K. zwischen G-eruch und Geschmack insofern einen Unterschied findet, als bei ersterem Sinne (nach Zwaardemakers Angaben) zwar Kompensationen, aber keine eigentlichen Mischgerüche mit neuer Qualität Vorkommen. (Ref. kann dieser Angabe Z.’s nicht zustimmen, erhält vielmehr ausgeprägte Mischgerüche, worüber an anderer Stelle Mitteilung gemacht werden wird.) Ein zweiter Abschnitt (§ 5) handelt von Nachgeschmäcken, welche K. als gleichartige und qualitativ von der applizierten Substanz ab¬ weichende unterscheidet. Bezüglich der ersteren wird wesentlich Neues nicht mitgeteilt (bitter wirkt am längsten fort, sauer am kürzesten, sauer löscht bitteren Nachgeschmack am schnellsten aus). Kochsalz und Salzsäure hinterlassen vorzugsweise auf der Zungen¬ spitze und bei wenig über der Schwelle liegenden, Intensitäten einen süfsen Nachgeschmack. Bei höheren Konzentrationen wirkt der saure und salzige Geschmack fort und übertönt den Nachgeschmack. Die Wahrnehmung dieser Nachgeschmäcke wird durch Schwankungen der Aufmerksamkeit deutlich beeinflufst. Nach dem Erlöschen eines Nach¬ geschmackes bleibt häufig noch ein unbestimmter Eindruck zurück, be¬ sonders lange bei stärkeren Reizen. Eine eigenartige Gattung von Nachgeschmack entsteht zuweilen dadurch, dafs nach dem Auf hören einer Geschmackssensation der im Munde bei manchen Personen stets vorhandene, für gewöhnlich aber un¬ merkliche bittere „Grundgeschmack“ über die Schwelle tritt [analog dem Eigenlichte der Retina würde man vielleicht besser von einem Eigen¬ geschmack des Geschmacksorganes reden. Ref.] In der vierten Mitteilung wird die Wirkung von Temperaturen auf Geschmacksempfindungen behandelt. Eine erste Reihe von Versuchen ist bestimmt, die Frage zu beantworten, ob der Schwellenwert eines be¬ stimmten Geschmacksreizes verschoben wird, je nachdem die den Schmeck¬ stoff enthaltende Flüssigkeit verschiedene Temperaturen hat. Das Er¬ gebnis war, dafs eine solche Verschiebung bei Temperaturen zwischen 0° und 51° C. nicht eintrat. Erst bei diesen Grenzen, welche den Schwellenwert des Temperaturschmerzes darstellen, verschieben sich die Schwellenwerte für alle vier Geschmacksqualitäten etwas nach aufwärts, indem offenbar die schwachen Geschmackseindrücke von den stärkeren, vom Temperaturreize herrührenden, übertönt werden (also eine psychische Beeinflussung). In zweiter Linie untersuchte K., inwieweit Temperaturen in physio¬ logischem Sinne anästhesierend auf das Geschmacksorgan wirken können, und zwar nach der Methode E. H. Webers, indem die Zungen¬ spitze auf 1—2 Minuten in Wasser von 50° C. getaucht oder mit Eis abgekühlt wurde. Danach wurde der Geschmackssinn geprüft. Die Wahrnehmung von süfs, salzig und bitter war in beiden Fällen erheb¬ lich gestört, bezw. aufgehoben. Die Wirkung von sauer (Salzsäure 0, 2%) indessen blieb gänzlich unbeeinflufst. Bemerkenswert ist, dafs die ab¬ gekühlte Zunge Kochsalz anfangs alkalisch oder sauer empfand, erst viel später salzig. Bei zwei Versuchspersonen ergaben sich ziemlich übereinstimmende Resultate. W. Nagel (Freiburg).