288 Litteraturbericht. beiden Seiten empfunden zu werden. Dies zeigte sieb besonders bei den als Kontrollexperiment benutzten Affen. Diese Schmerzempfindungen scheinen auf der nicht-paralysierten Seite rascher zu erfolgen, und das Tier kann die schmerzhafte Stelle auf der verletzten Seite lange nicht mit derselben Genauigkeit lokalisieren, wie auf der unverletzten. Tast¬ empfindung erfolgte nur auf der nicht paralysierten Seite. Die Probe mit kaltem "Wasser ergab dasselbe Resultat. Die mikroskopische Unter¬ suchung des Bückenmarkes, das nach dem Tode des Tieres nach Marches Methode behandelt wurde, ergab, dafs die absteigenden Degenerationen sich fast ausschliefslich auf die verletzte Seite beschränkten. Sie zeigten sich an den direkten Pyramidensträngen und der Pyramidenkreuzung; Wenige degenerierte Fasern zeigten sich zerstreut in den Vorder- und Seitensträngen beider Seiten, besonders in Fällen, wo ein kleiner Teil der anderen Seite des Bückenmarkes zufällig verletzt wurde. Nach oben zeigten sich die meisten Degenerationen in den GoLLschen Strängen, dem direkten Kleinhirnstrang, den Vorder- und Seitensträngen. Einige degenerierte Fasern fanden sich gewöhnlich im GoLLschen Strang, den Vorder- und Seitensträngen der unverletzten Seite. Wallaschek (Wien). F. W. Mott u. C. S. Sherrington. Experiments upon the Influence of Sensory Nerves upon Movement and Nutrition of the Limbs. Pro¬ ceedings Boy. Soc. Vol. LVII. No. 345. S. 481—488. 1895. Im Anschlufs an Experimente von Claude Bernard haben die Ver¬ fasser an Affen Bewegungsstörungen untersucht, die entstanden sind durch Durchschneidung der sensorischen Wurzeln der Bückenmarksnerven. 1. Bewegung. Durchschnitten wurde in der Brachialregion vom 4. Hirnnerv bis zum 4. Brustnerv (inklusive), in der Lumbarregion vom 2. bis zum 10. hinteren Brustnerv inklusive. Der Effekt, der von den Verfassern ausführlich beschrieben wird, läfst sich dahin zusammenfassen, dafs die Beweglichkeit der Peripherie der Gliedmafsen fast gänzlich aufhörte, während sie gegen die Basis der Verletzung zu allmählich zunahm, wenn auch immer gestört war. In dieser Beziehung ähnelt diese Erscheinung jener Bewegungsstörung, die auf eine Entfernung der entsprechenden, die Bewegung vermittelnden Begion des Cortex cerebri folgt, doch ist beim Affen die erstere Störung auffallender. Unter aufsergewöhnlichen Umständen können sogar die feineren Glieder am äufseren Ende der Gliedmafsen noch bewegt werden, "wenn das Tier sich zur Wehre setzt und gewaltsame rasche Bewegungen -zu machen genötigt ist. Die Verfasser schliefsen daraus, dafs die Mit¬ bewegungen bei dem Verlust der Empfindung der Gliedmafsen verhältnis- mäfsig wenig in Mitleidenschaft gezogen werden, während diejenigen Bewegungen, deren Ausführung durch gewisse Partien des Cortex ver¬ mittelt wird (willkürliche Bewegungen), sehr schwer beeinflufst sind und manchmal ganz entfallen; ja, die Verfasser sagen direkt: die W illens- macht zur Ausführung der Griffbewegung der Hand und ähnliches hat ganz aufgehört durch den lokalen, experimentell herbeigeführten Verlust jeder Empfindung. Die Willensmacht hörte auf gleich nach der Operation