218 BIBLIOGRAPHIE. vorangeht, der seinerseits eine Modification der anfänglichen Ektodermver¬ dickung vorsteilt, als erstem Stadium der Veränderung der Keimscheibe. Der Primitivstreifen und die sich normal bis zum hinteren Rande des hellen Fruchthofs, also mit Ausschluss von dessen vorderem Rande, hinziehende Primitivrinne stel¬ len in der Klasse der Vögel etwas specieil Neuerworbenes vor. Mitrofanoff, P. Teratogenetische Beobachtungen. (Neue Serie und 16 Abbildungen im Text). Arbeiten aus dem zoologischen Laboratorium der warschauer Universität. Lieferung XXII. 1899. Der Autor bestrich Hühnereier mit Firniss und beobachtete den Einfluss der Lackirung auf die Entwicklungsvorgänge im Embryo. Vollständiges Lackiren verhindert zwar anfänglich die Entwicklung nicht, ruft aber vollkommenen Stillstand derselben hervor, sobald der Vorrat an Sauerstoff im Ei verbraucht ist. Partielles Lackiren bedingt bei normaler Temperatur keine scharfen Veränderungen, namentlich in den ersten Entwick¬ lungsstadien; natürlich ist der allgemeine, hemmende Einfluss der Lackirung um so bemerkbarer, je grösser die lackirte Fläche am Ei ist. Auf Grund seiner sonstigen zahlreichen und genauen Beobachtungen über die Entwicklung des Hühnchens und auch teilweise der Thatsachen gegen¬ wärtiger Arbeit schildert der Autor das anfängliche Wachstum der Keimscheibe des Hühnereies folgendermaassen. Der Ausgangspunkt des Wachstums ist das Centrum des Blastoderms oder, richtiger, des hellen Fruchthofs; von hier aus schreitet es vor allem in der Schwanzrichtung fort, indem es sich durch Bildung des Primitiv¬ streifens und Ausbreitung des hinteren Randes des hellen Fruchthofs aus¬ drückt. Dieses Stadium des Wachstums findet seinen Abschluss am ersten Be¬ brütungstage und macht dann einem andern Platz, wo die Differenzirung in der Kopfrichtung beginnt, welche durch Bildung der Chorda, der Medularplatte ii. s. w. ihren Ausdruck findet. Darnach beginnt eine neue Serie von Diffe- renzirungen in der Schwanzrichtung, wenn das erste Paar der Ursegmente erscheint;—von diesem Augenblicke an ist die Bildung des Körpers des Em¬ bryo gesichert. Neue Körperteile, unaufhaltsam aus der Wachstumszone aus¬ gehend, welche mit dem Ausgangspunkte des Wachstums zusammenfällt, keilen sich zwischen die Kopf- und Rumpfabteilung ein und bedingen das Wachsen des Embryo in die Länge. Die Rumpfabteilung wird dabei in kurzer Zeit grös¬ ser, was auf intensiveres Wachstum in der Schwanzrichtung hinweist. Daher hält die Lackirung der hinteren Eihälfte im Laufe des ersten Tages die Ent¬ wicklung des hinteren Embryoendes zurück, übt aber einen verderblichen Einfluss auch auf das Vorderende aus. In der Bildung der langen Primitivrinne, die in dem nach hinten lang¬ gestreckten hellen Fruchthofe liegt, ist sichtlich ein mechanisches Element enthalten, welches für die bezüglichen Complicationen nach vorwärts von der Wachstumszone notwendig ist. Sobald die normale Bildung des Primitivstreifens gehemmt ist, wird auch die Entwicklung des vordem Bezirks des hellen Frucht¬ hofs verhindert. Es ist auch begreiflich, warum, wenn die Lackirung der vorderen Eihälfte einen hemmenden Einfluss auf die Bildung des Kopfbezirks ausübt, zugleich