460 Literaturbericht Falschen hinführt und fernerhin ob und wie weit ein vorher ins Bewnfei¬ sern gerufenes Wort verändernd auf das Ergebnils des 'Lesens wirkt. Die Versuche zeigten nun bezüglich des ersten Factors, dal® am. häufigsten bemerkt wurden ausgelassen© Buchstaben, dann häufig die un¬ richtigen, am wenigsten oft die unleserlichen. Am wirksamsten war also der objective Factor in der Form der Auslassung, Weiterhin wurde be¬ merkt, dale di© Wahrnehmung der Fehler auffallend abnahm, je mehr di© fehlerhafte Stelle des Wortes vom Wortanfang entfernt war. Bezüglich des subjectIv©n oder centralen Factors ergab sich, dafs die Längendifferenz zwischen dem zu lesenden, um. einen Buchstaben verkürzten Wort und dem. entsprechenden richtigen keinen merklichen Einflnfs auf das Wahrnehmen beiw. Uebersehen des Fehlers hat Dagegen erwies sich als sehr wirksam das vorausgehende Kufen eines Worte«, da® mit dem zu lesenden, verstümmelten Wort in Beziehung stand. Es trug viel dazu bei, di© Fehler zu übersehen, ebenso wie auch beim Experimen- tiren gesprochene oder gelesene Wort oder jüngst Gelesenes oder Be¬ sprochenes ein Uebersehen der Fehler zu begünstigen schienen. .Bei dem Suchen nach der Ursache, aus welcher bei dem die Fehler übersehenden Lesen gerade dieser oder gerade jener Buchstabe sich unvermerkt ein¬ schiebe, wird man wieder auf die Gesetze geführt, welche die Associations- erscheinungen beherrschen. Wenn, der Verf. übrigens glaubt, die Asso- ciationspsychologie sehe lediglich in der Häufigkeit des Zusammenseins der Bewusstseinsinhalte dasjenige Moment, das im Wettstreit associirter zur Reproduction sich drängende Vorstellungen den Ausschlag geben, so irrt er sich, Ziehen’s ‘Leitfaden der physiologischen Psychologie’ S, 157 ff, kann ihn eines Änderen belehren. Ueberhaupt scheint ausgedehnte Heranziehung der Literatur nicht die Sache des sonst tüchtigen Verf, zu sein. Selbst Memnobb-Mayer: Versprechen und Verlesen (Stuttgart,: Göschen 1895) ist ihm unbekannt geblieben. Den Schlafs der Abhandlung bildet eine nochmalige Besprechung der WüNDT’schen Theorie. Verf. kommt zum, Endergebnif®, dafs sämmtliche von IVunbi unterschiedenen associativen und appercept!ven Process© in den einen Assimilationsprocefs einmünden. M, Opfmeb (München), Jüan Philippe, fl d’imig61 mentales. Mm philos. 44, S. 508— 524. (Nov. 1897.) ln welchem Verhältnifs steht die Anzahl der Erinnerungsbilder, di© wir von. einem bestimmten Gegenstand haben, zu der Häufigkeit, mit der wir den. Gegenstand wahrgenommen haben? Verf. sucht dies Problem durch Austragung zu lösen, indem er mehrere Personen ihre Erinnerungsbilder der folgenden Objecte : Venus von Milo, Stecknadel, Cigarette, Buchstabe Â, Antlitz der Mutter, auf zäh len und beschreiben liefs. Sein Brgebnifs lautet dahin: Die Erinnerungsbilder sind um so weniger zahlreich, je häufiger die entsprechenden Vorstellungen vorhanden gewesen sind. Die meisten Personen — ©s wurden meist solche von visuellem Typus befragt — be* saften mehrere scharf umgrenzte und scharf gegeneinander abgegrenzte, deutlich localisirbare und beschreibbare Erinnerungsbilder der Venus von