458 Literaturbericht „Untersuchungen tber den Ursprung der angenehmen und unangenehmem Empfindungen“, wo er im Allgemeinen WoLFp’sehen Spuren folgt, unter B.ss Einfiufs ebenso wie Tiibnb und sogar Hbbbjsb in der Schrift „Vom Er¬ kennen und Empfinden der menschlichen Seele“' 1777. Nicht minder ein¬ greifend wirkte B. durch seine Theorie der Aufmerksamkeit und durch seine Auflassung vom Wesen der Seele, wodurch er zu dem ersten Be¬ kämpf er der von Wolff vertretenen Lehr© von dem Seelen vermögen ge¬ worden ist. Ganz besondere tiefen Eindruck aber machte seine Unsterb¬ lichkeitslehre auf Laien noch mehr denn auf Fachmänner. Wenn Rer. auch gerne noch Genaueres über die Einwirkung B/s auf Flögil, v. Crbuz und Weickabd, auf welche Ref. in. seiner Untersuchung „Di© Psychologie Chaules Bonnet's“ kurz Mngewiesen hat, erfahren hätte, so steht er doch keinen Augenblick an, die Darlegungen des Verl, als einen höchst dankenswerthen Beitrag zu begrüfsen zur Würdigung des als Mensch wie als Denker gleich hochstehenden Vorläufers unserer heutigen empiri¬ schen Psychologie, die dem alten Bonnet vielleicht mehr verdankt als sie selber glaubt. M. Offne» (München). J, Maäk Baldwin. Il Selective Thilttng. President's Ädremf American Psychological Association. Cornell Meeting. December 1897. Psychological Review V (1), 1—24. 1898. Schon in seinem Buch ‘Mental Development in the Child and the Race’ hat Baldwin neben der für die Entwickelung der Gattung wichtigen natürlichen Zuchtwahl, welche die für den Kampf ums Dasein un¬ genügend ausgestatteten Individuen zu Grunde gehen, die besser ausge¬ statteten überleben läfst, auch für die Entwickelung des Individuums eine Auswahl angenommen, welche unter den vielen möglichen lieactionen auf äinhere Reiz© die für das Individuum günstigeren festhllt, die weniger günstigen dagegen verschwinden läfst. Diese der natürlichen Zuchtwahl vorausgehende und vorarbeitende Selection nennt er, wie es scheint, nach dem Vorgänge Anderer, organische Selection; der Uebersetzer seines erwähnten. Hauptwerkes tauft sie unseres Erachtens glücklicher functio¬ neile Selection. Von diesem Standpunkte aus entdeckt B„ nun auch im menschlichen Denken eine ähnliche Auswahl, ein aus wählendes Denken, das sich als eine Bestimmung unseres Vorstellungsablaufes und seiner Folgen darstellt, die ja beide sowohl beim Individuum wie bei der Menschheit eine gewiss© Entwickelungsrichtung zeigen. Diese Gedanken hat B. schon ausgesprochen in seinen ‘Social and Ethical Interpretations in Mental Development’ (1897). Der breiteren Ausführung desselben dient die vorliegende Untersuchung, und zwar nach folgenden Gesichtspunkten: 1. Material des auswählenden Denkens (die Fülle der Gedankenvariationen), 2. die Function des Auswählens (auf 'welche Weise sich bestimmt© Varia¬ tionen erhalten, andere verschwinden), 3. die Krîterîa des Auswählens (welche Variationen sich erhalten, welche nicht). Freilich ist auch diese breiter© Ausführung noch immer zu schematisch und zu abstract gehalten, als dafs sie bei Baldwin’s unter dem Reichthum der Gedanken schwer tragender, wenig anschaulicher Pars teil ungs weise in allen Punkten klar und durchsichtig wäre. M. Opfmib (München).