296 C. Stumpf. Theilnahm© an den theoretischen Hebungen des Seminars weife, genaueste Fassung der Definitionen ■— wo solche überhaupt möglich sind — und der ScMuMoigemngen für unerläfslich an- zusehen. Wenn er daher die Unbestimmtheit seiner Definition der „Unmusikalischen“ damit entschuldigt, dafs .auch bürgerliche Gesetze manchmal zu kurz und in Folge dessen zu allgemein gefafst seien, so kann ich dies nicht gelten lassen. Solen uns schon bürgerliche Gesetze zum Muster dienen,, so sind dock selbst 'die schlechtesten darunter noch besser gefaM als jene Definition, selbst nach ihrer authentischen Erläuterung.1 Ich kann m ebensowenig gelten lassen, wenn er die damals ganz allgemein hingestellte Definition nun bloß auf gewisse specielle Versuchspersonen bezogen haben will. Eu einer allge¬ meingültigen Definition will er gar keine Veranlassung gehabt haben — und dabei war sie ausdrücklich als die Voraussetzung einer Theorie über das Urtheilsverhalten Unmusikalischer bezeichnet, die nur die nähere Entwickelung jener Definition ist und die über¬ haupt keinen Sinn hätte, wenn sie nicht allgemein verstanden sein sollte.® Die Definition soll sich nur auf Urtheilssubjecte wie die meinigen beziehen — und dabei liegen meine Versuche um 10 bis 22 Jahre zurück und hat Meyeb von meinen Versuchs¬ personen nicht di© geringste directe Kenntnifs, während ich aie seinerzeit nach .allen Richtungen, ganz besonders auch mit Rücksicht auf mittelbare Uriheilskriterien (deren allgemeine Be deutung für Sinnesurtheile ich selbst zuerst hervorgehoben habe) 1 Um mm einen Punkt herauszagreifen, m wird jetzt die „be¬ schrankte Klangdauer“ näher erläutert, und die Definition lautet in Folge dessen also: „Unter Unmusikalischen ▼erstehen wir solche Per¬ sonen, die bei beschränkter, aber für jeden Musikalischen inter gleichen Bedingungen vollkommen ausreichender, Klangdauer nur aus¬ nahmsweise im Stande sind in analysiren.“ Wm verstehen wir nun aber unter Musikalischen? — Die gan« Erklärung läuft jetzt darauf hinaus, dafs unmusikalisch ist, wer das nicht kann, was Musikalische können. Man mag dann freilich eben so lehrreich hinaufügen, dafs musikalisch ist, wer das kann, was Unmusikalisch© nicht können. 1 Ich bitte Mer den Leser, den Abschnitt von Mini's Abhandlung (XVII, 413 f.) nachzulesen : „In der frühesten Jugend, wo di© Spache sich entwickelt und da«. Kind die wichtigsten Begriffe bildet“ u. s. f. — und. sich dann zu fragen, ob dies anders als allgemein verstanden werden kann.