(Aus dem psychologischen Seminar der Universität München.) Vorstellungs- und Gefühlscontrast. Von WlLHELM WlBTH. I - ) a a söge n a n nie allgemeine psychologisch e Contrastprincip. Der psychische Vorgang» den wir bei der Wahrnehmung der äufseren Objecte erleben» ist naturgemifs von zwei Factoren abhängig» nämlich von der Beschaffenheit der Objecte und von der Verfassung unserer Persönlichkeit im allgemeinsten Sinne des Wortes. So mufs es denn fortwährend Vorkommen» dafs die nämlichen Objecte zu verschiedenen Zeiten einen anderen psychi¬ schen, Effect erzielen» wenn, die Verfassung der Persönlichkeit in jenen Zeitpunkten sich verschieden gestaltet So halten wir z. B. häufig die nämlichen ohjectiven Grade von Qualitäten für verschieden» die gleichen äufseren Verhältnisse erwecken in uns die verschiedensten Gefühle u. s. w. Ein greiser Theil dieser Modificationen, welche die Auf¬ fassung von Objecten in Folge der jeweiligen Verfassung der Persönlichkeit erleidet» fällt nun. nach der Meinung vieler Psycho¬ logen unter die Wirkungen eines ganz besonderen Principes innerhalb des Vorstellungs- und Gefühlslebens. Die Auffassung der ohjectiven Thatbestände und die einzelnen psychischen Zu¬ stände sollen ganz allgemein durch das sogenannte Contrast- gesetz beeinflufst werden, Sehr häufig findet man dieses Princip eitirt, ohne dafs es seihst vor seiner Anwendung näher auf seinen eigentlichen Sinn und seine Berechtigung untersucht worden wäre. Man scheint es dabei vielmehr als eine bekannte That- sache anzusehen, die in der Natur der Psyche wurzele und keiner weiteren Erklärung bedürfe. Die erste ausführlichere Behand¬ lung finden vir bei Fechner im zweiten Bande seiner „Vor- Zeitschrift für Psychologie XVBL 4