ZUR FRAGE VOX DER ALKOHOLISCHEN GAEHRUNG. 89 Reaktion urtheilen konnte. Die Alkoholmenge in diesen extremen Fällen, d. li. Avenu die Hefe Lis zu 2950 und 305" C. erhitzt war, musste sehr unbedeutend sein, denn die Iodoformkrystalle wurden im Destillat nur in äusserst unbedeuten¬ den Quantitäten erhalten und bei Anwendung von Schwefelsäure und chrom¬ saurem Kali konnte man überhaupt keine deutliche Mengen von Aldehyd erhalten. Beim Erhitzen der Hefe bis zu 140°- 250u C. beobachtete ich stets, bei den nachfolgenden Gährversuchen, eine mehr oder minder scliAvache Ent¬ wickelung von Kohlensäureblasen und beide Reactionen auf Aldehyd sowohl, Avie. auf Iodoformkrystalle zeigten das Vorhandensein von deutlichen Alkohol¬ mengen im Destillate an. 3) habe ich das Kochen der Hefe angewandt. Das Kochen der Hefe kann ohne Zweifel für ein experimentum crucis gehalten Aver den, denn es ist ja bekannt (Hoffmann), das Hefezellen sowohl, als auch Sporen von Schimmelpilzen kein Kochen vertragen. Beim Unternehmen dieser \ ersuche mit dem Durchkochen von Hefezellen ist strengstens darauf Acht zu geben, dass die Hefezellen nicht in die sterilisirte kalte 10% Zuckerlösung hineingelegt Averden, sondern nur Avährend des Kochens in die Lösung einge¬ bracht Averden; denn sonst entwickelt sich Avährend der Anfangsstadien der Er- Avärmung eine starke Gährung und die dabei sich bildenden Kohlensäurebläs¬ chen reissen mit sich ganze Klümpchen von Hefe an die Oberfläche der Flüs¬ sigkeit hinauf. Bei einer solchen starken Gährung ist es natürlich leicht ver¬ ständlich, dass, wenn die Erwärmung bis zum Kochen gebracht ist, die Zucker¬ lösung schon fast vollständig durcligegährt sein wird, und beim nachfolgenden Versuche mit einer solchen durchgekochten und durchgegährten Flüssigkeit erhält man im besten Falle nur Spuren, und das noch recht schwache, von Alkohol, Aveil augenscheinlich dabei die vorhanden gewesene Quantität des Fer¬ mentes schon Avährend der dem Kochen vorangehenden Gährung grössten Theils verbraucht ist. In Folge dessen habe ich stets die zum Versuche ge¬ nommene Hefemasse, die fein zertheilt war, direkt mit kochender 10% Zucker¬ lösung übergossen und gleich darauf habe ich das Kochen noch 10 —15—20 — 25—30 — 35—40 und höchstens noch 4 5 Minuten lang fortgesetzt; worauf das Reagenzgläschen mit sterilisirter Watte zugedeckt und stehen gelassen wurde. In allen dergleichen Versuchen erschien schon nach Verlauf von 48 Stunden eine deutliche Quantität von Alkohol in der mitsammt der Hefe durchgekochten !ö% Zuckerlösung. Die Anwesenheit von Alkohol wurde im Destillate sowohl durch die Reaktion auf Aldehyd, als auch durch die Lie- ben’sche Reaktion auf Iodoform bestimmt. Eine sorgfältige mikroscopische Untersuchung des Bodensatzes konnte in ihm keinerlei lebende Gebilde finden: alle Hefezellen waren todt, die vorhandenen Bakterien ei schienen voll¬ ständig unbeAveglich und es liessen sich keinerlei kleine, hefeartige, sprossende Zellen (Penicilliumhefe?) auflinden; trotzdem aber habe ich in allen diesen Versuchen eine Spaltung des Zuckers in Kohlensäure und Alkohol beobachtet. Es fragt sich also, unter welchem Einflüsse kam in diesen Fällen die alkoho¬ lische Gährung zu Stande? Es ist augenscheinlich nur eine Erklärung in diesen Fällen möglich, nämlich Avir müssen annehmen, dass das Ferment der alkoho¬ lischen Gährung, wenn auch in der lebenden Hefezelle gebildet, dennoch in seiner Wirkung auf Zucker von der lebenden Hefezelle vollkommen unab-