(Aus dem psychologischen Institut der Universität Marburg). Das Kovariantenphänomen, mit Bezug auf die allgemeinen Struktur- und Entwicklungsfragen der räumlichen Wahrnehmungen. Von H. Fr ei ling, E. R. Jaensch und F. Reich.1 • • 1. Uber die Beziehung von Wahrnehmungen und Anschauungsbildern in der eidetischen Entwicklungsphase* In früheren Arbeiten haben wir dargelegt, dafs Jugendliche bis zu einer gewissen Altersstufe in grofser, örtlich verschiedener Verbreitung die Fähigkeit zu optischen Anschauungsbildern be¬ sitzen, d. h. die Fähigkeit, einen vorher betrachteten Gegenstand entweder unmittelbar nachher oder auch nach längerer Zwischen¬ zeit im buchstäblichen Sinne wiederzusehen (nicht nur vor¬ zustellen); eine Erscheinung, die den gewöhnlichen physiologischen Nachbildern nahesteht und durch den Vergleich mit ihnen er¬ läutert werden kann, gleichwohl aber — nach den Ergebnissen unserer Untersuchungen — scharf von ihnen zu unterscheiden ist. Sind die Fälle schon häufig, in denen sich die „eidetische“ Anlage bereits bei dem einfachsten Prüfungsverfahren zeigt, so fanden wir die rudimentären, nur durch feinere Methoden auf¬ zudeckenden Formen in überaus grofser, wenn nicht allgemeiner Verbreitung. Die Möglichkeit, Untersuchungen an Naturvölkern anzustellen, ist uns gegenwärtig verschlossen. Aber schon aus vorhandenen Berichten der Reisenden liefs sich mit grofser 1 Die Versuche in Abschnitt 1—3 sind angestellt von Jaensch und Reich (1922), die in 4 von Freiling, in 5—6 von Freiling und Jaensch (1918).