J2. K. Muller m erfolgen, dagegen müfste sie in einer Schrägrichtung von ihr ab¬ weichen, wenn das in beiden Augen erzeugte Bewegungsnach¬ bild verschiedene Geschwindigkeit hätte. Ob das Bewegungs¬ nachbild beider Augen in letzterem Falle gleiche oder ver¬ schiedene Richtung besäfse, bliebe grundsätzlich ohne Bedeutung, nur müfste die Geschwindigkeit der Tiefenbewegung sich hier¬ von beeinflufst zeigen. Auf Grund dieser Erwägungen regte mich Herr Prof. R. Dittler dazu an, experimentell zu prüfen, ob sich nach der Tiefe wandernde Bewegungsnachbilder auf dem angedeuteten Wege überhaupt erzeugen lassen, und, wenn es zutrifft, Einzel¬ beobachtungen nach dieser Richtung anzustellen. Wie sich bei der Durchsicht der Literatur herausstellte, hatte sich S. Exner 1 in seinen „Beobachtungen über Bewegungsnach¬ bilder“ mit der Frage der Bewegungsnachbilder nach der dritten Dimension bereits experimentell und theoretisch befafst. Fixierte er mit beiden Augen durch 1—2 Minuten (unter möglichster Ab¬ deckung aller übrigen Teile) die auf ihn zukommenden Speichen eines in der Körpermediane aufgestellten rotierenden Rades und hielt dieses dann plötzlich an, „so schien es unzweifelhaft eine rückgängige Bewegung auszuführen“. Dagegen gelang es ihm selbst nach längerer Beobachtung des gleichen Vorbildes nie, an den Buchstaben einer Druckschrift eine Bewegung im Sinne einer Scheinverschiebung nach der Tiefe wahrzunehmen. Ebenso¬ wenig konnte er nach Beobachtungen in der Tiefenrichtung be¬ wegter anderer Vorbilder, an denen ihm die Bewegung in der Tiefendimension an sich sehr deutlich war, beim Hinblicken auf einen vertikalen Projektionsschirm oder eine vor dem Schirm angebrachte Papiermarke auch nur spurweise eine Scheinbe- wegung in der Richtung der Tiefe sehen. Theoretisch leitet er aus diesen Erfahrungen die Meinung her, „dafs sich die der Tiefenwahrnehmung zugrunde liegenden Empfindungen am Be- wegungsnachbild nicht beteiligen“. Den erwähnten positiven Fall bei Beobachtung der Speichen des aus der Bewegung zur Ruhe gebrachten Rades läfst er bei dieser Folgerung, wie es scheint, aufser Betracht. Diese Feststellungen Exners sind wohl kaum als abschliefsend zu erachten, sondern fordern zu einer erneuten Prüfung der 1 S. Exner, Zentralblatt f. Physiologie 1, 135, 1888.