Kleine Beiträge zur Psychophysik der Farbenempfindung 311 Prozessen in nutritiver Hinsicht gegenüber den achromatischen Prozessen zukommt, schneller, als bei entsprechendem Verfahren mit rein weißem Licht das entsprechende Wiederabsinken des Helligkeitseindruckes stattfindet. Die Zeitdauer der chromatischen Lichtaussendung des Hauptfeldes, bei welcher die Farbe dieses Feldes derjenigen des eine völlig gleiche physikalische Beschaffen¬ heit besitzenden, aber relativ andauernd ein wirkenden Vergleichs¬ feldes völlig gleich erscheint, bei welcher also kurz gesagt die scheinbare Gleichheit von Momenteindruck und Dauereindruck erreicht war, erwies sich als kürzer wie diejenige Zeitdauer jener chromatischen Lichtausstrahlurg, bei welcher das Chroma des Hauptfeldes sein Maximum erreichte. Es wuchs also der chro¬ matische Eindruck des Momentreizes über denjenigen des Dauer¬ reizes hinaus.1 2. Die Entwicklung des Chroma auf einem Grunde von kon¬ stanter Helligkeit vollzieht sich für Rot schneller als für Grün und für dieses schneller als für Blau. Daß die von rotem, grünem, blauem Lichte erweckten Er¬ regungen hinsichtlich ihrer Anstiegsgeschwindigkeiten in den hier angegebenen Richtungen voneinander abweichen, ist schon früher (vgl. G. E. Müller, I, S. 402 f.), vor allem auch von Kleitmann und Pieron, festgestellt worden. Aber bei diesen früheren Ver¬ suchen kamen die farbigen Lichter mit ihren verschiedenen Wei߬ valenzen zur Geltung, und es drängt sich die Frage auf, ob die festgestellten Verschiedenheiten der chromatischen Anstiegsge¬ schwindigkeiten sich in ähnlicher Weise auch dann finden, wenn zwischen den Weißvalenzen der benutzten Farben keine Diffe¬ renzen bestehen, insbesondere auch die Blauerregung von einer gleichstarken Weißerregung begleitet ist wie die anderen chro¬ matischen Erregungen. Die hier in Rede stehenden Versuche von Piéron beantworten diese Frage in bejahendem Sinne. 3. Wird die Helligkeit des Grundes, auf dem sich die chro¬ matische Reizung entwickelt, bei gleichbleibender Stärke der chro¬ matischen Reizung erhöht, so nimmt die Geschwindigkeit der Entwicklung der chromatischen Erregung in zuerst erheblichem, später aber schwächerem Grade zu, die zur Erreichung des Maxi- 1 Natürlich hat die von dem Dauerreize erweckte Erregung kurz nach ihrer Entstehung das von der Momenterregung erreichte Maximum gleich¬ falls durchlaufen. Man vergleiche die von mir früher (III, S. 173 f.) hier- über gegebenen Ausführungen. 23*