96 J. D. Aehelis und J. Merkulow an der Motorik gewonnen wurden, zwangen zur Einführung von Begriffen wie Schaltung, Gestaltwandel der Reflexe u. a., und man wird ähnliches auch für die Sensibilität erwarten können. Die Untersuchungen von Goldstein 1 sowie von Stein und v. Wetz- sacker 2 u. a. zeigen von der Pathologie her, dafs ein Funktions¬ wandel und kein Ausfall starr festgelegter Funktionen beim Ab¬ bau des Nervensystems eintritt. Jedenfalls besteht danach durchaus die Möglichkeit, dafs z. B. zentrale Funktionsänderungen die Umstimmung der Retina begleiten. Es eröffnen sich mit dieser Wandlung unserer Auffassung vom Nervensystem eine ganze Reihe von Problemen für die Sinnesphysiologie. Die Untersuchung des Sinnesnerven zunächst, der dritten Zone wenn man so sagen darf, wird von Wichtigkeit für die sinnesphysiologische Theorie. Wenn man die Verhält¬ nisse am motorischen Nerven auf den sensiblen übertragen darf, würde dieser jedenfalls ein in seiner Erregbarkeit sehr wandel¬ bares Gebilde darstellen.3 Die zerebralen Einstellungen, die v. Kries 4 auf Grund psychologischer Erwägungen postuliert hat, fänden so auch eine konkret physiologische Grundlage. Für die Dunkeladaptation gilt heute das gleiche: ihr diop- trischer Anteil (Pupillenreaktion) und ihr retinaler Anteil (morpho¬ logische Veränderungen der Stäbchen und Zapfen, Sehpurpur¬ regeneration) machen den gröfsten Teil ihrer Theorie aus. Es gibt zwar eine Reihe von Befunden, die für eine Mitbeteiligung des Zentrums sprechen: v. Kries hat wiederholt darauf hin¬ gewiesen, Behr5 konnte an Patienten mit verschiedenen Störungen der Sehbahn zeigen, dafs Adaptationsstörungen bei Veränderungen zwischen Retina und dem subkortikalen Zentrum häufig sind, die Bestimmung der „FRÖHLicnschen Zeit“6 und das Pulfrich- phänomen 7 bei Dunkeladaptation sprechen auch dafür,— doch hat dies alles in der Theorie noch keinen festen Ort. Brückner 8 hat 1 Goldstein: Bethes Handbuch X, 600ff. 8 Stein und v. Weizsäcker, Dtsch. Z. Nervenheilk. 99, 1 (1927). 3 Jaederholm, Pflügers Arch. 114, 248 (1906). — J. D. Achelis, Pflüaers Arch. 219, 411 (1928). 4 J. v. Kries, Z. Psychol. 8, 1 (1895). 5 C. Behr, Arch. Ophthalm. 75, 201 (1910). 6 K. Vogelsang, Erg. Physiol. 26, 122 ff. (1927). 7 C. Pülfrich, Die Stereoskopie im Dienste der Photometrie und Pyro¬ métrie. Berlin 1923. 8 A. Brückner, Schw. med. Wschr. 55, 245 (1925).