225 (Ans dem Physiologischen Institut der Universität Berlin) Untersuchungen zur optischen Baumwahrnehmung Von Dr. A Matsud a (Tokio) Mit 4 Abbildungen im Text I. Über binokulare Tiefenwahrnehmung und Doppelbildwahrnehmung im Dämmerungssehen 1. Fragestellung Binokulare Tiefenwahrnehmung und Doppelbildwahrnehmung beruhen bekanntlich beide auf der Querdisparation der Netzhaut¬ bilder. Ist die parallaktische Verschiedenheit der Netzhautbilder groß, so ist sowohl Tiefen Wahrnehmung wie Doppelbildwahr¬ nehmung möglich ; ist j ene dagegen klein, so ist meist wohl die Tiefen¬ wahrnehmung noch vorhanden, die Doppelbildwahrnehmung aber nicht. Daß kleine Parallaxen nicht stets auch zur Doppelbild¬ wahrnehmung führen, hängt mit verschiedenen, die Doppelbild¬ wahrnehmung erschwerenden Faktoren zusammen, welche W. Tben- delenbueg und K. Deescheb 1 in ihren Untersuchungen über die Grenze der Tiefenwahrnehmung und Doppelbildwahrnehmung näher angeben. Die geringen Blickschwankungen, die ja beim Fixieren im Auge stets vorhanden sind, der Wettstreit der Einzel¬ augen, die Größe und Form der Objekte u. a sind es, die eine Wahrnehmung der Doppelbilder erschweren. Die genannten Autoren zeigten aber auch, daß die Grenze der Parallaxe für Doppelbild Wahrnehmung und Tiefenwahrnehmung im günstigsten Falle gleich ist. Man betrachtet einen horizontal ausgespannten Faden ein -wenig von oben, indem man einen Punkt desselben fixiert; dann sieht man zwei Fäden, 1 W. Trendelenburg u. K. Drescher, Z. Biol. 84, 427 (1925). Zeitschr. f. Sinnesphysiol. 61 16