324 F. Kiesow. Tastpanktes gelegen ist, so kann ich ihn versichern, dafs eine solche Empfindung bei Ponzos Versuchen gar nicht in Frage kommt. Sollte er aber der Ansicht sein, dafs wir nicht genügend auf die Ausschaltung von charakteristischen Druck- oder (besser) Tastempfindungen bedacht gewesen seien, so mufs ich ihn auf Ponzos ausführliche Darstellung verweisen, wo er über diese Frage hinreichende Aufklärung erhalten wird. Wer unsere Beobach¬ tungen gewissenhaft nachprüft, wird sich von der Richtigkeit von Ponzos Angaben überzeugen. Dabei ist nicht aus dem Auge zu verlieren, dafs alle unsere Prüfungen bei maximaler Einstellung der Aufmerksamkeit auf den zu erwartenden schmerz¬ haften Eindruck ausgeführt wurden. Nur solche Eindrücke sind lokalisiert worden. Was die Ausführungen von Frl. Mayer1 betrifft, so erlaube ich mir zunächst nochmals die Bemerkung, dafs Dr. Ponzo nie und nirgends von „Berührungsempfindungen“ spricht. — Wie es nach der Verf. möglich sein soll, dafs durch ein seelisches Verschmelzungsprodukt, in welchem die Schmerzempfindung derart dominiert, dafs die „Druckempfindung“ von der letzteren gewissermafsen überschluckt wird, ein Lokalisations¬ effekt erzielt werden kann, für den die nicht zum Bewufstsein kommende Komponente das entscheidende Moment abgibt, ist nicht gut zu begreifen. — In bezug auf die Entscheidung, welche die Verf. für die Beantwortung der Frage nach der verschieden¬ artigen Lokalisation der Tast- und Schmerzempfindungen für sich in Anspruch nimmt, hege ich einen starken Zweifel darüber, ob diese Entscheidung wirklich als eine absolute angesehen werden darf. Nach meinem Dafürhalten ist sie vielmehr von sehr relativer Art, insofern sie nur für die Bedingungen Geltung haben kann, unter denen die Verf. arbeitete, und die von den¬ jenigen, unter denen Dr. Ponzo seine Versuche anstellte, gänz¬ lich verschieden sind. Dazu kommt, dafs v. Freys neue Methode mit der Stachelborste auf Grund der von ihm selbst gemachten Bestimmungen in ihrer Anwendbarkeit eine derartige Einschrän¬ kung erfährt, dafs sie sich, so hoch ihr Wert sonst eingeschätzt werden mufs, für die Lösung der Frage, welche Dr. Ponzo ge¬ stellt war, nicht geeignet hätte, auch wenn sie zu der Zeit, als er seine Versuche ausführte, bereits bekannt gewesen wäre. Ent- 1 B. Mayer, a. a. O., S. 143.