823 Zur Frage nach der Lokalisation der Hautempfindungen. Bei der Behandlung der LokalisationsVorgänge im Bereiche der Temperaturempfindungen liest man bei v. Skkamlik, dafs bei Ponzos Versuchen „die Örtlichkeit eines Kalt- und Warmreizes bei geschlossenen Augen mittels eines Fingers oder eines Stäbchens gezeigt“ ward.1 Die Angabe ist falsch. Wie der \ erf. aus der überaus klaren Darstellung in dem von ihm be¬ benutzten Resume, dem aufserdem Zeichnungen der von uns benutzten Instrumente beigegeben sind, eine solche Angabe her¬ auslesen konnte, bleibt unverständlich. — Dieselbe Angabe wieder¬ holt sich bei der Besprechung der Lokalisation von Schmerzemp¬ findungen. Zwar ward beim Aufsuchen des Reizortes bei den Schmerzempfindungen ein Stäbchen benutzt, aber dieses war kein Stäbchen gewöhnlicher Art, wie man nach v. Skramliks Darstellung vermuten mufs, sondern stellt einen kleinen Hilfs- apparat dar, auf dessen Anfertigung grofse Sorgfalt verwandt ward. Wenn v. Skramlik meint, dafs Ponzos Versuche noch keinen Aufschlufs über die Gröfse der Raumschwellen geben, so ist darauf zu erwidern, dafs die Lokalisation von Empfindungen und die Bestimmung von Raumschwellen zwei verschiedene seelische Funktionen sind, und dafs Ponzos nächste Aufgabe darin bestand, die erstere zu untersuchen. — Was endlich den Mangel betrifft, unter dem nach v. Skramlik Ponzos Versuche leiden sollen, insofern nicht recht klar werde, „wie bei den Schmerzempfin¬ dungen die Berührung ausgeschaltet war“ 3, so hätte der Verf. seine Meinung vielleicht geändert, wenn er die ausführliche Dar¬ stellung Ponzos zu Rate gezogen und aufserdem den einen oder den anderen der dort beschriebenen Versuche selbst nachgeprüft hätte. — Aus v. Skramliks Mitteilung geht nicht hervor, was er unter „Berührung“ und „Berührungsempfindung“ versteht. Meint er damit im Sinne v. Freys 4, auf dessen Ausführungen er sich bezieht, einen sehr leisen und flüchtigen (nach meinen Beobach¬ tungen immer diffusen) taktilen Eindruck, wie man ihn bei Reizung eines Tastpunktes vermittels eines Reizhaares zu er¬ zeugen vermag, dessen Spannungswert sehr nahe der Schwelle liegt, oder wie man ihn auch beobachten kann, wenn man einen Hautpunkt reizt, der in der unmittelbaren Nähe eines wirklichen 1 E. v. Skbamlik, a. a. O., 8. 125 (von mir gesperrt). 2 Ebenda, S. 136. 3 Ebenda. 4 M. von Fbey, Zeitschr. f. Biologie 76, S. 4f., 1922.