224 Literaturbericht. sation beeinflussen soll, so scheint zunächst dieser Begriff der Ueber- compensation nicht glücklich gewählt. Von einer solchen würde man doch mit Recht dann sprechen, wenn das vertical Empfundene als geneigt im Sinne der Kopfdrehung beurtheilt, also, falls die impulsive Umwerthung bereits wirksam war, fälschlich nochmals corrigirt und demgemäfs eine der Kopfneigung entgegengesetzt gerichtete Linie für die richtige Verticale angesehen würde. Dies ist aber gerade bei starker Neigung des Kopfes nicht der Fall. Aufserdem läfst sich für die „impulsive“ Umwerthung kaum ein anderes auslösendes Moment als die Empfindung der Kopf¬ drehung, für die durch Unterscheidung von Oben und Unten veranlafste Ausdeutung des Netzhautbildes schwerlich ein anderer Effect als eine „im¬ pulsive Umwerthung der Netzhautraumwerthe“ denken, so dafs es sehr nahe liegt, die beiden zur Erklärung herangezogenen Factoren in ein Ver- hältnifs von Ursache und Wirkung zu bringen und nur die erstere als Er- klärungsprincip beizubehalten. Dürr (Leipzig). E. Hering. Ueber die Herstellung stereoskopischer Wandbilder mittels Pro- jectionsapparates. Pflüger’s Archiv 87, 229—238. 1901. Die von Rollmann und d’Almeida eingeführte Methode der Stereo¬ skopie, bei welcher die beiden stereoskopischen Zwilhngsbilder mit ver¬ schiedenen Farben, das eine etwa mit rothen, das andere mit blauen Linien, auf dieselbe schwarze Tafel gezeichnet und durch entsprechend verschieden gefärbte Medien, mit dem einen Auge also durch ein rothes, mit dem anderen durch ein blaues Glas betrachtet werden, unterscheidet Hering principiell von derjenigen, seiner Meinung nach nicht als Ergebnifs theoretischer Ueberlegung gefundenen Methode, bei welcher die Doppel¬ bilder ebenfalls in verschiedenen Farben auf dieselbe Fläche eines hellen Hintergrundes entworfen werden. Während nämlich bei jener das mit rothem Glas bewaffnete Auge nur das in rotlier Farbe entworfene Bild, das blau oder grün bewaffnete Auge nur das blau bezw. grün gezeichnete Bild sieht, verhält sich bei dieser alles umgekehrt. Nach der ersteren Methode gelingt Hering die Herstellung stereoskopischer Wandbilder, in¬ dem er zwei Projectionsapparate benützt, die beiden Bilder eines für die gewöhnlichen stereoskopischen Apparate passenden Doppel-Diapositivs mittels eines durch die Mittellinie der Glasplatte geführten Schnittes von einander trennt und je eines in einen der beiden Projectionsapparate ein¬ setzt. Bringt er nun vor dem Objectiv des einen Apparates ein rothes, vor dem des anderen ein grünes Glas an, so entwerfen die beiden Apparate die stereoskopischen Doppelbilder in verschiedenen Farben an derselben Stelle der Wand, wo sie durch einen Klemmer, der ein rothes und ein grünes Glas enthält, als ein körperlicher Gegenstand gesehen werden. Nach der zweiten Methode gelangt Hering zu gewissen Resultaten mit nur einem Projectionsapparat, indem er zwei für stereoskopische Ver¬ einigung bestimmte Figuren auf denselben Theil einer farblosen Gelatine¬ platte, die eine mit rother, die andere mit grüner Anilinfarbe überein¬ ander zeichnet und als farbige Medien, durch welche der Beobachter zu blicken hat, Lösungen derselben farbigen Tinten in Glasgefäfsen mit ge¬ schliffenen planparallelen Wandungen benützt. Für Demonstrationen vor