Grundzüge einer Farbentheorie. 203 Wellenlänge, so fällt die Voraussetzung; denn zwei gleichhell aussehende heterogene Lichter werden, wenn wir jede ihrer Inten¬ sitäten auf das Doppelte steigern (d. h. soviel als wir mischen zu gleichaussehendem beiderseits gleichaussehendes —), ungleich hell. Ob es aber physiologisch möglich ist, dafs derselbe End¬ apparat für verschiedenartiges Licht auch verschiedene Empfind¬ lichkeiten besitzen kann, erscheint doch sehr fraglich und un¬ wahrscheinlich. Jedenfalls genügt es vor der Hand für die Ele¬ mentarempfindungen, welche ja nur farblose Helligkeitsunter¬ schiede liefern, die Empfindlichkeiten als unabhängig von der Wellenlänge anzusehen. Die photographische Platte zeigt z. B. die Ungültigkeit unserer Voraussetzung; zwei heterogene Lichter, die gleiche Schwärzungen erzeugen, erzeugen bei verdoppelter Lichtinten¬ sität verschiedene Schwärzungen. Doch erscheint mir die Er¬ klärung dieser dem PüßKiNJE’schem Phänomen analogen Er¬ scheinung darauf zu beruhen, dafs die Platte aus unendlich vielen Elementen von ganz verschiedenen Empfindlichkeiten zu¬ sammengesetzt ist. Wir werden in der Folge sehen, dafs aie Empfindlichkeiten A für jede Elementarempfindung unserer Ge¬ sichtsempfindungen verschieden ist, und dafs das Purktnje sehe Phänomen gerade darin seine Ursache hat, ebensowie auch die Abweichungen vom NEWToVschen Mischungsgesetze und die Wanderung des neutralen Punktes der Dichromaten. Sollte aber sich heraussteilen, dafs die Empfindlichkeiten auch von der Wellenlänge abhängen, so bin ich derzeit nicht im Stande eine Mischformel anzugeben. (Eingegangen am 20. Mai 1902.)